24.6.2013: weitere Publikationen
Klimawandel in Mitteleuropa: Arten und Lebensräume immer mehr unter Druck
Changement climatique en Europe centrale: espèces et milieux de plus en plus sous pression
Essl, Franz, Rabitsch, Wolfgang
Der Klimawandel stellt eine der grössten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Dies gilt besonders für das Überleben von Arten und Lebensräumen. Die Komplexität der damit verbundenen Fragestellungen und die rasanten Wissensfortschritte machen es immer schwieriger, das Themenfeld zu überblicken. In einem neuen Buch liefern 74 ExpertInnen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland eine umfassende Darstellung und Bewertung des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Biodiversität in Mitteleuropa.
Le changement climatique est un des grands défis du 21ème siècle. C'est particulièrement vrai pour la survie des espèces et des écosystèmes. La complexité des questions qui y sont liées et la rapide avancée des connaissances font que cette thématique est toujours plus difficile à maîtriser. Dans un nouveau livre, 74 experts de la Suisse, d'Autriche et d'Allemagne livrent une description et une évaluation du changement climatique et de ses conséquences sur la biodiversité en Europe centrale.
Die AutorInnen dokumentieren das Ausmass der drohenden Gefährdung von Arten und Lebensräumen. Das Buch „Biodiversität und Klimawandel – Auswirkungen und Handlungsoptionen für den Naturschutz in Mitteleuropa“ ist als Gemeinschaftswerk des österreichischen Umweltbundesamtes, des deutschen Bundesamtes für Naturschutz, des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung und des oberösterreichischen Umweltressorts im Springer Verlag erschienen.
Das Fazit der AutorInnen: Viel mehr als bisher muss getan werden, um den negativen Folgen des Klimawandels auf Arten und Lebensräume zu begegnen oder diese zu verhindern. In den nächsten Jahrzehnten wird der Klimawandel in Mitteleuropa einen enormen Verlust an Biodiversität auslösen. Denn viele Arten werden künftig kaum mehr geeignete Klimabedingungen vorfinden. Bereits heute seltene Pflanzen und Tiere wie das Steinschmückel, eine Gebirgspflanze, und das Alpen-Schneehuhn könnten völlig von der Bildfläche verschwinden.
Der Klimawandel wird weitreichende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft haben. Manche wichtige Kulturpflanzen wie Weizen und Roggen werden künftig nicht mehr in dem Ausmass angebaut werden können wie heute, weil es zu heiss oder zu trocken sein wird. Die Forstwirtschaft wird mit einem vermehrten Auftreten von Schädlingen wie Borkenkäferarten und einer stark erhöhten Mortalität wichtiger Waldbäume wie der Fichte konfrontiert sein. Aber auch die Ausbreitung eingeschleppter, für den Menschen relevanter Krankheitsüberträger wie Stech- und Sandmücken wird durch den Klimawandel begünstigt.
Der Naturschutz steht angesichts der wenigen intakten Lebensräume und begrenzter finanzieller Mittel vor grossen Herausforderungen. Zu den traditionellen Naturschutzzielen wie dem Schutz von Arten und Lebensräumen treten als Folge des Klimawandels neue Ziele hinzu: eine stärkere Ausrichtung auf den Schutz von Biodiversitätsfunktionen und eine bessere Vernetzung von Schutzgebieten. Auch das regelmässige Monitoring der sich ändernden Biodiversität gewinnt durch den Klimawandel zunehmend an Bedeutung.
Alle AutorInnen sind sich einig: Gerade weil manche der durch den Klimawandel ausgelösten Vorgänge kaum mehr aufzuhalten sind, ist es umso wichtiger, vorausschauend und vorsorgend zu handeln. Eine wesentliche Voraussetzung, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen, ist ein ambitionierter Klimaschutz auf nationaler und internationaler Ebene. Dazu kann ein besserer Schutz von Arten und Lebensräumen wesentlich beitragen. Denn viele Lebensräume wie Wälder und Moore entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid, speichern dieses in der Biomasse und tragen so zum Klimaschutz wesentlich und kostengünstig bei. Ergänzt werden muss dies durch eine stärkere Berücksichtigung von Biodiversitätsbelangen in der Landnutzung und Raumplanung unter Ausnutzung möglicher Synergieeffekte. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Extensivierung von Grünland und eine konservierende Bodenbearbeitung haben positive Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz. Viele der bewährten Naturschutz-Massnahmen werden an Bedeutung gewinnen, so der Schutz und die Renaturierung von Feuchtgebieten, der Schutz alter Wälder und die Vernetzung von Biotopen, um die Ausbreitung von infolge des Klimawandels wandernden Arten zu unterstützen. Eine intensive Zusammenarbeit von Naturschutz und anderen Sektoren und die Begrenzung zusätzlicher Stressfaktoren sind jedenfalls dringend geboten.
Keywords:
Anbaugrenzen, Arealveränderungen, Klimawandel, Kohlenstoffsenken, Kohlenstoffspeicher, Landnutzung, Naturschutz, Schutzgebiete, Ökosysteme
Literatur:
F. Essl, W. Rabitsch (2013). Biodiversität und Klimawandel. Auswirkungen und Handlungsoptionen für den Naturschutz in Mitteleuropa. Springer Verlag. 458 S.
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