3.11.2011: Forschung international

Klimawandel: Weltweites Risiko für Tiere und Pflanzen

Changement climatique: risque planétaire pour les animaux et les plantes



Ursula Heyder et al.

Der Klimawandel birgt ein Risiko für Ökosysteme auf allen Kontinenten. Wie gross die Gefahr für Tiere und Pflanzen ist, haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt in einer neuartigen Analyse weltweit ermittelt. Hierfür haben sie erstmals ein konkretes Mass entwickelt, das bei Veränderungen des CO2-Gehalts der Luft sowie der Temperatur und des Regens die Auswirkungen auf die Landökosysteme systematisch erfasst.

Le changement climatique présente un risque pour les écosystèmes de tous les continents. Des scientifiques de l’Institut de recherche sur le climat de Potsdam (PIK) ont calculé l’importance du danger pour les animaux et les plantes à l’échelle planétaire. Ils ont développé pour celà une nouvelle mesure prenant systématiquement en compte l’impact des variations de la teneur en CO2 de l’air, de la température et des précipitations sur les écosystèmes terrestres.


Bislang ist die Wirkung des Klimawandels auf die Biosphäre zu wenig quantifiziert worden, schon gar nicht auf globaler Ebene. Die Forschenden wollten umfassend wissen, welche Erwärmung welche Lebensräume unter Druck setzt. Deshalb haben sie ein Mass erstellt, das grundlegende Vorgänge im Stoffkreislauf erfasst. Verändert sich an einem bestimmten Ort etwas, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch die betroffenen Ökosysteme sich in ihrer Gesamtheit ändern – bis hinunter zum kleinsten Käfer. Da die Forschenden diese ganze Komplexität im Computer aber nicht abbilden können, berechneten sie das Risiko für solche Veränderungen unter Berücksichtigung der für Ökosysteme bedeutsamsten Prozesse.
Am grössten wären die Veränderungen wohl in den Wäldern am Übergang von der kühlen Klimazone im kontinentalen Innern Asiens und Amerikas zu den gemässigten Breiten. Hier könnten im Hitzestress mehr kälteliebende Pflanzen absterben, als wärmegewohnte Arten rasch nachwachsen, so die Studie. Gefährdet sind auch die für das Weltklima bedeutsamen Urwälder am Amazonas wegen der möglichen Verschiebungen ihres biogeochemischen Zustands, also Verschiebungen im Wasser- und Kohlenstoffhaushalt.
Die Natur reagiert in kalten Lebensräumen bereits auf eine Erwärmung um nur zwei Grad – dieser Wert gilt als durchaus ambitioniertes Klimaschutzziel. Bei Ökosystemen in den gemässigten Breiten macht es einen erheblichen Unterschied, ob die Temperaturen um zwei Grad steigen oder um drei und mehr: Die Veränderungen der Pflanzenwelt nehmen dann sprunghaft zu.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung


Keywords:
Klimawandel, Wasserhaushalt, Kohlenstoffhaushalt, Klimaschutzziel

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Heyder U. et al. (2011). Risk of severe climate change impact on the terrestrial biosphere. Environmental Research Letters, doi:10.1088/1748-9326/6/3/034036

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Wolfgang Lucht
Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK)
Telegrafenberg A62/1.14
P.O. Box 60 12 03
D-14412 Potsdam

Wolfgang.Lucht@pik-potsdam.de
Tel: +49 (0)331 288 2533


Zurück zur Liste