25.2.2011: Forschung international
Biodiversität sichert menschliche Gesundheit
La biodiversité: une garantie pour la santé humaine
Felicia Keesing et al.
Der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt fördert die Verbreitung von Krankheitserregern und gefährdet so die Gesundheit des Menschen, aber auch der Tiere und Pflanzen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen amerikanische und englische Forscher, nachdem sie bestehende Studien zu diesem Thema zusammengetragen und ausgewertet haben. Die Erhaltung intakter Ökosysteme mit ihrer Biodiversität ist der beste Weg, das Risisko einer Verbreitung von Infektionskrankheiten zu minimieren.
La perte de biodiversité favorise la propagation d’agents pathogènes et représente ainsi un danger pour la santé humaine, mais aussi pour celle des animaux et des plantes. Des chercheurs anglais et américains sont arrivé à cette conclusion après avoir étudié et analysé les études existantes à ce jour. La conservation d’écosystèmes intacts avec leur biodiversité propre est la meilleure garantie pour diminuer le risque de développement de maladies infectieuses.
Der Grund für die Zunahme der Infektionskrankheiten bestehe vor allem darin, dass sich durch das lokale und regionale Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten vor allem solche Organismen vermehren können, die die Verbreitung von Krankheitserregern direkt oder indirekt fördern, so die Forschenden. Betroffen seien dabei alle möglichen pathogenen Organismen, also Viren, Bakterien und auch Pilze.
Die Wissenschaftler gingen in ihrer Übersichtsstudie der Frage nach, welche Folgen der massive Rückgang der Biodiversität für die Verbreitung von Infektionskrankheiten hat. Theoretisch gibt es zwei denkbare Effekte: Auf der einen Seite könnte ein Verlust der Biodiversität bedeuten, dass auch die Zahl der Krankheitserreger zurückgeht – schliesslich sei es vorstellbar, dass umso weniger Parasiten überleben, je spärlicher die Tier- und Pflanzenwelt ist. Andererseits könnte der Schwund der Biodiversität auch den gegenteiligen Effekt haben und die Ausbreitung von Krankheitserregern begünstigen. Tatsächlich wurde letzteres Szenario durch die Daten gestützt, die den Forschern vorlagen.
Offenbar gehören demnach jene Pflanzen- und Tierarten, die am ehesten aussterben, häufig zu den Arten, die krankmachende Mikroben sozusagen abfangen, etwa weil sie sich nur untereinander damit anstecken und nicht oder nur wenig mit anderen Arten in Kontakt kommen. Die robusten Arten hingegen, die es schaffen, zu überleben, sind häufig auch diejenigen, die Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus oder das Hantavirus den Weg ebnen – zum Beispiel, weil sie zwar selber nicht krank werden, aber als sogenannte Vektoren fungieren, als Überträger von Krankheitserregern.
Dieser Zusammenhang betrifft viele Ökosysteme: Zum Beispiel ist das in Nordamerika beheimatete Opossum durch die Abholzung der Wälder stark vom Aussterben bedroht. Die Weissfussmaus hingegen vermehrt sich prächtig – und mit ihr die Parasiten: Das Nagetier ist der Wirt von Hirschzecken. Und diese dienen wiederum als Vektor für Bakterien, die die für den Menschen gefährliche Infektionskrankheit Lyme-Borreliose auslösen können.
Die Wissenschaftler fordern daher, dass auch aus Gründen des Infektionsschutzes bestehende Ökosysteme bewahrt werden sollten, um die Arten zu erhalten. Wenn die Artenvielfalt weiterhin schrumpft und die Barriere zwischen Mensch und Tier immer kleiner wird, dann sei die ideale Grundlage für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten geschaffen.
Quelle : National Geographic Deutschland
Keywords:
Gesundheit, Ökosystemleistungen, Krankheitserreger, Zecken, Lyme-Borreliose
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Keesing F. et al. (2010). Impacts of biodiversity on the emergence and transmission of infectious diseases. Nature 468: 647-652.
Kontaktadresse:
Prof. Felicia Keesing
Department of Biology
Bard College
Annandale, New York 12504
USA
keesing@bard.edu
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