24.8.2010: Forschung international
Chytridpilz bedroht Amphibien in höheren Lagen offenbar stärker
Le champignon chytride menace apparement plus fortement les amphibiens en altitude
Susan F. Walker et al.
Geburtshelferkröten im Gebirge leben gefährlich. Ihr Risiko, an der Amphibienkrankheit Chytridiomykose, die durch den Chytridpilz ausgelöst wird, zu erkranken und zu sterben, ist wesentlich höher als bei ihren Artgenossen im Flachland.
Les crapauds accoucheurs en montagne vivent dangereusement. Le risque de maladie et de décès dû à la maladie chytridiomycose, déclenchée par le champignon chytride, est bien plus élevée que pour leurs congénères en plaine.
Fünf Jahre lang hatten Forscher die Verbreitung des Chytridpilz-Erregers bei der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricians) in Frankreich, Spanien und Portugal untersucht. Dabei sammelten sie Hautproben von über 3000 Kaulquappen und Kröten von 126 Stellen aus verschiedenen Höhenlagen auf der Iberischen Halbinsel. In den höheren Lagen waren bis zu 100 Prozent der Kröten an der Krankheit verendet. Ob der Chytridpilz besser an kältere Regionen angepasst ist oder ob das Immunsystem der Kröten dort empfindlicher reagiert, ist jedoch noch ungeklärt.
Auch in Europa sind Amphibien mittlerweile durch die Infektionskrankheit Chytridiomykosis bedroht, die durch den Chytridpilz-Erreger (Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd) verursacht wird, der sich in der Haut der Amphibien einnistet. Da Amphibien zu grossen Teilen über die Haut atmen, ist diese Erkrankung – neben der Vernichtung von Feuchtgebieten – eine der Ursachen für den schnellen Artenrückgang und das Aussterben von Amphibien auf fünf Kontinenten. Es ist klar, dass der Erreger bereits knapp ein Drittel der Populationen und Arten quer über Europa infiziert hat. Inzwischen zeichnet sich auch ab, dass die Folgen ähnlich katastrophal sein könnten wie in Nord- und Südamerika: von einem starken Rückgang der Amphibien bis hin zur lokalen Ausrottung. Trotz dieser Anzeichen werden die Auswirkungen dieser Seuche auf die biologische Vielfalt immer noch verkannt.
Die Ende Januar veröffentlichte Publikation über die Verbreitung der Amphibienseuche Chytridiomykose bei Geburtshelferkröten auf der Iberischen Halbinsel ist eines der ersten Ergebnisse aus dem EU-Projekt RACE (Risk Assessment of Chytridiomycosis to European amphibian biodiversity). Chytridiomykose ist ein ernstes Problem für Amphibien weltweit. Um zu verhindern, dass die Seuche auf gesunde Populationen überspringt, müssen potentielle Ausbreitungswege aufgezeigt werden und in Zusammenarbeit mit betroffenen Interessengruppen soll geklärt werden, welche Massnahmen auf deren Unterstützung aufbauen können. Am RACE-Projekt beteiligt ist auch die Universität Zürich.
Die Daten und Ergebnisse von RACE sollen verwendet werden, um ein einheitliches EU-weites Überwachungssystem zu schaffen, Kooperationen anzuregen und Informationen über die Chytridiomykose weiter zu verbreiten. Auf diese Weise wird RACE Hinweise liefern, wo Schutzmassnahmen am nötigsten sind, um die Auswirkungen des Chytridpilzes zu verringern und die Vielfalt an Amphibien zu schützen.
Keywords:
Amphibien, Krankheit, Chytridpilzes, RACE
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Susan F. Walker, Jaime Bosch, Virgilio Gomez, Trenton W. J. Garner, Andrew A. Cunningham, Dirk S. Schmeller, Miguel Ninyerola, Daniel A. Henk, Cedric Ginestet, Christian-Philippe Arthur and Matthew C. Fisher (2010). Factors driving pathogenicity vs. prevalence of amphibian panzootic chytridiomycosis in Iberia. Ecology Letters (Early View, 27 Jan 2010). http://dx.doi.org/10.1111/j.1461-0248.2009.01434.x
http://www.eurobiodiversa.org/index.php?option=com_content&task=view&id=216&Itemid=130
http://spatialepidemiology.blogspot.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Chytridpilz
Mehr Informationen
Kontaktadresse:
PD Dr. Klaus Henle, Dr. Mark Auliya, Dr. Henning Steinicke
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Department Naturschutzforschung
Permoserstraße 15
D-04318 Leipzig
Dr. Dirk Schmeller
Station d'Ecologie Expérimentale du CNRS à Moulis
F-09200 Saint Girons
Zurück zur Liste