18.2.2009: Forschung CH
Moore verlieren Arten trotz traditioneller Bewirtschaftung
Malgré une exploitation traditionelle, les marais perdent des espèces
Ariel Bergamini et al.
Die traditionelle Bewirtschaftung ist in vielen naturnahen Lebensräumen die wichtigste Naturschutzmassnahme zur Erhaltung typischer Arten. In kalkreichen Flachmooren der Voralpen genügt dies aber nicht: Trotz traditioneller Bewirtschaftung nahm die Zahl der auf Flachmoore spezialisierten Moose und Gefässpflanzen innerhalb von nur zehn Jahren ab. Zudem wurden die Moore produktiver, nährstoffreicher und trockener.
Une exploitation traditionnelle est pour beaucoup de milieux proches de l’état naturel la mesure de protection de la nature la plus importante pour la conservation des espèces typiques. Cela ne suffit pas pour les bas-marais des Préalpes calcaires: le nombre de mousses et de plantes vasculaires spécialisées des bas-marais a diminué en l’espace de 10 ans seulement et malgré une exploitation traditionelle. En plus, les mousses sont devenues plus productives, plus riches en substances nutritives et plus sèches.
Viele aus Sicht des Naturschutzes wertvolle Lebensräume sind erst durch die menschliche Nutzung entstanden. Die Beibehaltung der traditionellen Bewirtschaftung gilt deshalb als eine der wichtigsten Massnahmen, um solche Lebensräume zu erhalten.
Kalkreiche Flachmoore der Voralpen gehören zu den artenreichsten Habitaten der Schweiz. Sie werden traditionellerweise entweder einmal pro Jahr gemäht oder extensiv beweidet. Zahlreiche Habitatspezialisten sind auf diese nährstoffarmen Lebensräume angewiesen. Um längerfristige Bewirtschaftungseffekte und Veränderungen der Habitatqualität kalkreicher Flachmoore zu untersuchen, wurde die Moos- und Gefässpflanzenvegetation in 36 Flachmooren in einem ca. 3200 Quadratkilometer grossen Gebiet der östlichen Voralpen in den Jahren 2005/06 erhoben und mit Aufnahmen aus den Jahren 1995/97 verglichen.
Trotz traditioneller Bewirtschaftung nahm die Zahl der auf Flachmoore spezialisierten Moose und Gefässpflanzen sowie die Zahl der gefährdeten Gefässpflanzen ab. Auch die Gesamtartenzahl der Moose ging zurück. Die Bewirtschaftung hingegen hatte keinen Effekt auf die Zahl der Habitatsspezialisten unter den Gefässpflanzen. Bei den Moosen nahm allerdings die Zahl der Habitatsspezialisten in beweideten Mooren stärker ab als in gemähten. Die oberirdische Biomasse der Gefässpflanzen stieg zwischen den beiden Erhebungen markant an. Auch die mittlere Nährstoffzahl und die Zahl der Nährstoffzeiger nahmen zu. Die mittlere Feuchtezahl, Lichtzahl und Humuszahl sowie die Zahl der Humuszeiger gingen hingegen zurück.
Die traditionelle Bewirtschaftung vermag die Qualität der untersuchten Moore offenbar nicht zu bewahren: In nur zehn Jahren wurden die Moore ärmer an typischen und gefährdeten Arten. Zudem wurden sie produktiver, nährstoffreicher und trockener. Problematisch sind vor allem Stickstoff-Einträge über die Atmosphäre und von angrenzenden Parzellen sowie Veränderungen der Hydrologie. Der stärkere Rückgang der für Flachmoore typischen Moose in den beweideten Mooren könnte ein Zeichen für eine nicht angepasste, möglicherweise zu intensive Beweidung sein. Sollen die Moore mit ihren typischen Arten langfristig erhalten bleiben, so müssen Nährstoffeinträge wirksam reduziert und der für Flachmoore typische Wasserhaushalt gesichert oder wieder hergestellt werden. Unter den prognostizierten wärmeren und trockeneren Sommern scheint dies von besonderer Bedeutung.
Keywords:
Flachmoore, Artenvielfalt, Moose, Blütenpflanzen, Monitoring
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Bergamini A. et al. (2009). Loss of habitat specialists despite conservation management in fen remnants 1995-2006. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics 11, 65-79.
http://www.sciencedirect.com/science/journal/14338319
Kontaktadresse:
Dr. Ariel Bergamini
Eidgenössische Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
ariel.bergamini@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 23 32
Zurück zur Liste