7.5.2006: Forschung international

Globale Biodiversität: Wo liegen die Hotspots?




John Lamoreux et al.

Für die Entwicklung von Strategien zur Erhaltung der globalen Biodiversität müssen zunächst einmal die globalen Muster der Artenvielfalt besser verstanden werden. Wissenschaftler haben nun zeigen können, dass die Muster bei Reptilien, Amphibien, Vögeln und Säugetieren weitgehend übereinstimmen.


(gk) Die Biodiversität ist nicht gleichmässig über die Erde verteilt. Besonders viele Arten leben beispielsweise in den tropischen Regenwäldern. Doch auch hier gibt es Gebiete, die mehr Tier- und Pflanzenarten beherbergen als andere. Die Ursachen für diese Muster der Artenvielfalt sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielen das Klima und biogeographische Prozesse. Massnahmen zur Erhaltung der globalen Biodiversität machen sich diese Muster zunutze, um mit den wenigen finanziellen Mitteln möglichst viel Biodiversität zu erhalten. Allerdings beruht die Identifizierung von artenreichen Gebieten auf globaler Ebene oft nur auf einer einzigen Gruppe von Wirbeltieren. Ob die einzelnen Artgruppen auch als Indikator für andere Organismen gelten, wurde bisher noch nicht untersucht.
Mehrere Wissenschaftler haben deshalb die Muster der Artenvielfalt mehrerer Wirbeltiergruppen miteinander verglichen. Für die Analyse wurden die Verbreitungsgebiete von über 7'000 Reptilienarten und fast 5'000 Amphibien-, 10'000 Vogel- und 5’000 Säugetierarten verwendet.
Die statistischen Auswertungen haben deutlich gezeigt, dass die Muster der Artenvielfalt bei den vier untersuchten Wirbeltiergruppen weitgehend übereinstimmen. In Gebieten mit besonders vielen Reptilien und Amphibien leben auch überdurchschnittlich viele Vogel- und Säugetierarten. Jede einzelne Artgruppe eignet sich deshalb als Indikator für die gesamte Artenvielfalt bei den Wirbeltieren. Auch die Verbreitungsmuster der Endemiten korrelieren zwischen den vier Artgruppen. In einem Gebiet mit vielen endemischen Amphibien kann deshalb davon ausgegangen werden, dass auch Endemiten der anderen Wirbeltiergruppen vorkommen. Die Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass Regionen mit vielen Endemiten auch besonders artenreich sind. Schutzgebiete für Endemiten dürften daher auch vielen anderen Arten zugute kommen. Damit liefern diese Resultate einen wichtigen Beitrag für zukünftige Massnahmen zur Erhaltung der globalen Biodiversität.


Keywords:
Gobale Biodiversität, Endemismus, Schutzgebiete

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Lamoreux J. et al. (2006). Global tests of biodiversity concordance and the importance of endemism. Nature 440, 212-214.

Kontaktadresse:
Dr. John Lamoreux, Department of Environmental Sciences, University of Virginia, Clark Hall, 291 McCormick Rd., P.O. Box 400123, Charlottesville, VA 22904-4123 USA
lamoreux@virginia.edu


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