12.2.2026: Forschung international

Moose und Kräuter sind Stickstoffdepots im Wald

Bryophytes et végétation herbacée constituent des réservoirs d’azote en forêt



Till J. Deilmann, Karin Potthast, Beate Michalzik et al.

Stickstoff ist für das Wachstum von Pflanzen unerlässlich – zu viel davon kann jedoch Wald, Böden und Gewässer belasten. Nicht nur die Bäume, sondern auch die Vegetation in den unteren Schichten prägt den Stickstoffhaushalt entscheidend mit. Besonders die Pflanzen der Kraut- und Moosschicht spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie viel Stickstoff im Ökosystem verbleibt und wie viel in untere Erdschichten oder Gewässer gelangt.

L’azote est indispensable à la croissance des plantes, mais une quantité excessive peut altérer les forêts, les sols et les eaux. Les arbres, mais également la végétation des couches inférieures, influencent de manière décisive le bilan de l’azote. Les plantes des couches herbacée et muscinale jouent un rôle particulièrement déterminant sur la quantité d’azote qui reste dans l’écosystème et celle qui parvient dans les couches inférieures du sol ou dans les eaux.


Stickstoff gelangt vor allem über Niederschläge in den Wald und durchläuft dabei mehrere Vegetationsschichten. Vom Kronendach über Sträucher erreicht das Wasser schliesslich die Kraut- und Moosschicht, bevor es im Boden versickert. Wie viel Stickstoff dabei im System verbleibt oder in tiefere Bodenschichten und Gewässer ausgewaschen wird, hängt in hohem Mass von der Dichte und Zusammensetzung des Unterwuchses ab.
Messungen an 93 Punkten in Buchen-, Fichten- und Kiefernwäldern in Mitteldeutschland zeigen, dass dort, wo die Vegetation am Boden besonders dicht ist, viel weniger Stickstoff in den Boden gelangte. Vor allem Moose erwiesen sich als besonders gute Filter, die den Stickstoff im Ökosystem hielten und ihn nicht ins Grundwasser gelangen liessen. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, den Stickstoff im Ökosystem zu halten und eine Überlastung der Böden zu vermeiden.
Neben der Bedeckung spielen auch die funktionellen Merkmale der krautigen Pflanzen eine Rolle. Schnellwachsende Pflanzenarten nehmen den Stickstoff schneller auf und geben ihn auch schneller wieder frei.
Diese Erkenntnisse sind besonders relevant vor dem Hintergrund der anthropogenen Stickstoffeinträge aus der Luft. Überschüssiger Stickstoff führt zur Versauerung der Böden, beeinträchtigt Bodenorganismen und verändert die Artenzusammensetzung der Vegetation. Stickstoffliebende Arten werden häufiger, während konkurrenzschwächere Arten verdrängt werden. Gleichzeitig erhöht sich das Risiko von Nitrat im Grundwasser und damit der Belastung der Trinkwasserressourcen.
Bisher lag der Fokus des Stickstoffhaushalts im Wald auf der Baumschicht. Ein vertieftes Verständnis der Prozesse am Waldboden eröffnet neue Perspektiven für den Naturschutz und die Waldbewirtschaftung. Die gezielte Förderung einer vielfältigen und dichten Kraut- und Moosschicht könnte die Filterwirkung des Waldes stärken und helfen, Stickstoffüberschüsse abzufangen.

Quelle: vbio.de

Keywords:
Wald, Krautschicht, Stickstoff, Stickstoffkreislauf, Trinkwasser

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Deilmann TJ, Potthast K, Michalzik B et al. (2025) Forest floor vegetation contributes to a reduction in nitrogen fluxes in temperate forest understories. Plant and Soil.


Link zur Studie (freier Zugang)

Kontaktadresse:
Till J. Deilmann
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution
D-07737 Jena
till.jonathan.deilmann@uni-jena.de


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