17.12.2025: Forschung CH

Was unsere heutigen Wiesen über die Zukunft verraten können

Ce que nos prairies d’aujourd’hui peuvent nous révéler sur l’avenir



Lena Neuenkamp et al.

Die Intensivierung der Landnutzung führt sowohl räumlich als auch zeitlich zu einem Verlust an Artenvielfalt. Räumliche Unterschiede zwischen Wiesen offenbaren dabei nahezu dieselben Biodiversitätsreaktionen wie langjährige Messreihen. Das bedeutet, dass räumlich erhobene Daten des Ist-Zustands dazu dienen können, den Verlust von Artenvielfalt bei intensiverer Nutzung frühzeitig zu erkennen.

L’intensification de l’utilisation du sol entraîne une perte de biodiversité tant sur le plan spatial que temporel. Les différences spatiales entre les prairies révèlent presque les mêmes réponses de la biodiversité que les séries de mesures à long terme. Cela signifie que les données spatiales recueillies sur l’état actuel peuvent servir à détecter à un stade précoce la perte de diversité des espèces due à une utilisation plus intensive.


Die Biodiversitäts-Exploratorien sind ein Grossprojekt, das eine wertvolle Datengrundlage liefert: Auf 150 Grünlandflächen in Deutschland wurden über elf Jahre hinweg Pflanzen und Gliederfüsser erfasst. Forschende verglichen nun, wie sich die Artenvielfalt zwischen verschiedenen Orten unterscheidet und wie sie sich im Laufe der Jahre verändert. Das Ergebnis: Wenn Land intensiver genutzt wird, stärker gedüngt, häufiger gemäht oder intensiver beweidet, geht die Artenvielfalt zurück. Das gilt sowohl für die Artenzahl innerhalb einer Fläche (die sogenannte α-Diversität) als auch für die Unterschiede zwischen Flächen (β-Diversität).
Aus den Daten lässt sich eine zweite wichtige Frage beantworten: Kann man aus den Unterschieden zwischen verschiedenen Orten (Raum) vorhersagen, wie sich die Artenvielfalt über die Zeit verändern wird (Zeit)? Das wäre hilfreich, weil räumliche Vergleiche viel schneller und einfacher möglich sind als jahrzehntelange Beobachtungen.
In der Studie ähneln sich die Muster aus Raumdaten und Zeitreihen stark. Das bedeutet: Wenn man verschiedene und unterschiedlich genutzte Wiesen miteinander vergleicht, sieht man fast die gleichen Reaktionen wie in den langjährigen Messreihen. Dazu ein Beispiel: Eine stark gedüngte Wiese hat weniger Arten als eine wenig gedüngte – und wenn man eine Wiese über die Jahre intensiver nutzt, passiert genau das Gleiche. Raumdaten können also als «Abkürzung» dienen, wenn Zeitreihen fehlen. Damit haben die Forschenden ein mögliches Frühwarnsystem für den Artenverlust entdeckt, mit dem man einschätzen kann, wo Lebensräume geschädigt werden und damit früher handeln.
Man darf sich allerdings keineswegs nur auf Raumdaten verlassen. Arten brauchen manchmal Jahre, bis sie auf Veränderungen reagieren – diese Verzögerungen sieht man nur in langen Zeitreihen. Es braucht also weiterhin langfristige Monitoringprogramme, um langsam ablaufende und verzögerte Veränderungen richtig zu erfassen.

Quelle: Universität Bielefeld

Keywords:
Monitoring, Grünland, Frühwarnsystem, Raumdaten

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Neuenkamp L., Saiz H., Schenk N. ..., Allan E. & Penone C. (2025). Congruent direction but different magnitude of biodiversity response to land use intensification in space and time. Nature Ecology & Evolution.


Link zur Studie

Kontaktadresse:
Eric Allan
Universität Bern
Institute of Plant Sciences
CH-3013 Bern
eric.allan@unibe.ch
Tel: +41 (0)31 684 49 92


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