17.12.2025: Forschung CH
Der Biber schafft Lebensräume für Fledermäuse
Le castor crée des habitats favorables aux chauves-souris
Valentin Moser et al.
Biberteiche beherbergen mehr Fledermäuse als benachbarte Bachabschnitte, darunter auch mehr gefährdete Arten. Sowohl die Jagd- als auch die Fressaktivität der Fledermäuse ist in Biberteichen höher, und auch die Artenzahl nimmt zu. Diese Zunahmen lassen sich durch mehr stehendes Totholz, ein heterogeneres Kronendach und ein verändertes Angebot an wirbellosen Beutetieren erklären. Biber fördern die Biodiversität – und das weit über die Grenze zwischen Wasser und Land hinaus.
Les étangs à castors abritent plus de chauves-souris que les tronçons de ruisseau voisins, y compris davantage d’espèces menacées. Les chauves-souris sont davantage actives pour la chasse et leur alimentation dans les étangs à castors, et le nombre d’espèces augmente également. Ces augmentations s’expliquent par la présence plus importante de bois mort sur pied, une canopée plus hétérogène et une modification de l’offre en proies invertébrées. Les castors favorisent la biodiversité, et ce bien au-delà de la limite entre l’eau et la terre.
Biberteiche erhöhen die Anzahl und Artenvielfalt der Fledermäuse. Warum das so ist, haben Forschende an acht Bächen im Schweizer Mittelland untersucht. Sie zeichneten die Echolot-Rufe der jagenden Fledermäuse auf, um deren Aktivität zu schätzen, und zählten die Fluginsekten, die sie knapp über der Wasseroberfläche gefangen hatten. Zudem wurde die Qualität des Lebensraums mit und ohne Biber anhand des Totholzvolumens und der Vegetationsstruktur untersucht.
Es zeigte sich: Bei Biberteichen kamen pro Nacht im Schnitt fünf Fledermausarten vor, bei den Kontrollabschnitten ohne Bibereinfluss waren es vier Arten. Auch flogen an Biberteichen öfter Fledermausarten der Roten Liste. Die Fledermäuse jagten in Biberrevieren mehr als doppelt so häufig wie in den Kontrollabschnitten. Vielfältigere, offenere Baumbestände und mehr stehendes Totholz sowie ein grösseres Beuteangebot in Biberrevieren lockten die Fledermäuse an. Am meisten profitierten Arten halboffener Landschaften, beispielsweise die Zwergfledermaus. Aber auch Arten wie die Wasserfledermaus und die gefährdete Mopsfledermaus waren häufiger an Biberteichen.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Biber Fledermäuse fördern, indem sie strukturreiche Habitate und erhöhtes Nahrungsangebot schaffen. Für Naturschutz und Gewässerentwicklung unterstreichen die Resultate den Wert von Biberlebensräumen. Managementmassnahmen, die stehendes Totholz zulassen und die Dynamik von Bibergewässern akzeptieren, dürften damit Fledermäusen zugutekommen.
Quelle: WSL, Eawag
Keywords:
Biber, Fledermäuse, Ökosystemingenieur, Heterogenität, blau-grüne Biodiversität
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Moser V., Capitani L., Zehnder L
. & Risch A. C. (2025). Habitat heterogeneity and food availability in beaver-engineered streams foster bat richness, activity and feeding. Journal of Animal Ecology.
Link zur Studie (freier Zugang)
Kontaktadresse:
Valentin Moser
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Community Ecology
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
valentin.moser@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 24 08
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