17.12.2025: Forschung international

Gebietsfremde Pflanzenarten erreichen eine einheimischen Arten vergleichbare mikroherbivore Vielfalt in Europa

En Europe, les espèces végétales exotiques atteignent une diversité en microherbivores comparable à celle des espèces indigènes



Lara J. Schulte, Miriam Wahl und Ingmar R. Staude

Entscheidend für die Integration in Nahrungsnetze sind vor allem die Dauer ihrer Ansiedlung und die Grösse ihres Verbreitungsgebiets. Mit zunehmender Aufenthaltszeit werden gebietsfremde Arten von immer mehr spezialisierten Pflanzenfressern genutzt, wodurch sich Interaktionen ähnlich wie bei heimischen Arten entwickeln können.

Le temps écoulé depuis l’introduction d’espèces exotiques et l’étendue de leur aire de répartition sont déterminants pour leur intégration dans les réseaux trophiques. Plus les espèces exotiques ont été introduites il y a longtemps, plus elles sont utilisées par un nombre croissant d’herbivores spécialisés, ce qui peut entraîner des interactions similaires à celles avec les espèces indigènes.


Neue Analysen zur Einbindung gebietsfremder Pflanzenarten in europäische Ökosysteme liefern überraschende Einsichten: Nicht die geografische Herkunft oder die verwandtschaftliche Nähe zu heimischen Arten bestimmen, wie gut sich neue Pflanzen ins Nahrungsnetz einfügen. Massgeblich sind vielmehr zwei Faktoren: Wie lange eine Art bereits in Europa vorkommt und wie weit sie sich verbreitet hat.
Mit zunehmender Aufenthaltsdauer entstehen immer vielfältigere Interaktionen zwischen den eingeführten Pflanzen und kleinen Pflanzenfressern wie Miniermotten, Gallmücken oder Blattläusen. Diese Mikro-Pflanzenfresser, obwohl oft hoch spezialisiert, nutzen etablierte gebietsfremde Arten zunehmend als Nahrung oder Wirtspflanze. Damit entwickeln sich im Laufe der Zeit Interaktionsmuster, die jenen heimischer Pflanzen ähneln können.
Beispiele wie die vor über 300 Jahren eingeführte Robinie zeigen, dass lange etablierte Arten inzwischen von zahlreichen Mikroherbivoren besiedelt werden. Solche Befunde widerlegen die lange verbreitete Annahme, gebietsfremde Pflanzen blieben für heimische Konsumenten weitgehend unattraktiv und könnten sich deshalb besonders stark ausbreiten. Stattdessen entsteht ein dynamisches Bild, in dem ökologische Netzwerke Anpassungsfähigkeit beweisen und neue Pflanzenarten zunehmend integrieren.
Für den Naturschutz liefert die Arbeit neue Impulse: Die Fähigkeit ökologischer Netzwerke, sich an veränderte Floren anzupassen, ist zentral für das Verständnis zukünftiger Artenverschiebungen im Zuge des Klimawandels. Gleichzeitig bleibt die Bedeutung einheimischer Pflanzen hoch, da viele hochspezialisierte Mikro-Pflanzenfresser weiterhin auf sie angewiesen sind. Die Ergebnisse unterstützen eine differenzierte Bewertung der Risiken gebietsfremder Arten und helfen, Managementstrategien an die sich wandelnde Artenzusammensetzung anzupassen.

Quelle: Universität Leipzig

Keywords:
Gebietsfremde Arten, Nahrungsnetze, ökologische Nische, Klimawandel, Artenverschiebung

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Schulte L. J., Wahl M., & Staude I. R. (2025). Non‐Native Plants Attain Native Levels of Microherbivory Richness With Time and Range Expansion. Ecology Letters, 28(11), e70247.


Link zur Studie (freier Zugang)

Kontaktadresse:
Ingmar R. Staude
Universität Leipzig
Institut für Biologie
Johannisallee 21
D-04103 Leipzig
ingmar.staude@uni-leipzig.de


Zurück zur Liste