17.12.2025: Forschung international

Die allermeisten Ameisenarten sind unbekannt

La grande majorité de espèces de fourmis sont inconnues



Jill T. Oberski et al.

Zurzeit sind 14‘260 Ameisenarten bekannt. Die tatsächliche Zahl dürfte aber deutlich höher liegen. Ameisen besiedeln fast alle Lebensräume und spielen eine zentrale ökologische Rolle, doch viele Regionen – besonders in Asien und Afrika – sind noch unzureichend erforscht. Moderne Methoden wie die DNA-Sequenzierung haben die Ameisensystematik stark verändern.

Actuellement, 14 260 espèces de fourmis sont connues. Mais leur nombre réel est probablement bien plus élevé. Les fourmis colonisent presque tous les habitats et jouent un rôle écologique central, mais de nombreuses régions ne sont pas suffisamment explorées, notamment en Asie et en Afrique. Des méthodes modernes comme le séquençage de l’ADN ont profondément modifié la systématique des fourmis.


Ameisen haben nahezu alle Lebensräume erobert, von subpolaren Wäldern bis zu extremen Trockengebieten. Ihre enge Verflechtung mit Pflanzen, Pilzen, Bodenorganismen und sogar Wirbeltieren macht sie zu zentralen Akteurinnen in ökologischen Netzwerken. Sie regulieren andere Gliedertierpopulationen, verbreiten Samen und prägen so die Struktur ganzer Ökosysteme.
Eine internationale Forschungsgruppe hat die Geschichte der Klassifikation der Gliedertiere nachgezeichnet und das enorme Wachstum des Forschungsfeldes im neuen Jahrtausend beleuchtet. Die moderne Ameisen-Systematik durchlief in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel: Fortschritte in der DNA-Sequenzierung, in modellbasierten Analysen und in der hochauflösenden Bildgebung erlauben immer präzisere Aussagen zur Verwandtschaft.
Die Forschenden heben hervor, dass grosse Teile der globalen Ameisenfauna weiterhin unzureichend dokumentiert sind. Zurzeit sind weltweit 14’260 Arten bekannt. Schätzungen zufolge liegt die tatsächliche Zahl aber mindestens zwei- bis dreimal höher. Während Europa vergleichsweise gut untersucht ist, gelten insbesondere mediterrane Regionen weiterhin als Fundorte zahlreicher noch unentdeckter Arten. In Asien bleiben weite Gebiete nur lückenhaft erfasst. In Afrika sind trotz zunehmender Aktivitäten viele Arten weiterhin unbeschrieben.
Um die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern, schlägt das Forschungsteam ein einheitliches Benennungssystem für höhere Ameisengruppen vor, das auf bestehenden Begriffen basiert und durch gemeinschaftlich festgelegte neue Bezeichnungen ergänzt wird. Damit die Erforschung dieser global bedeutsamen Tiergruppe auch künftig voranschreiten kann, betonen die Autorinnen und Autoren die zentrale Rolle neuer Fachkräfte. Praxisorientierte Feldkurse und Forschungsprojekte sollen Studierende früh an die Systematik heranführen und so den langfristigen Aufbau von Expertise sichern, um das Potenzial der Ameisenforschung auch in Zukunft auszuschöpfen.

Quelle: Senkenberg.de

Keywords:
Ameisen, Systematik, Artenzahlen, Feldkurse

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Oberski J. T., Griebenow Z. H., Adams R. M., Andersen A., Andrade-Silva J., Barden P., ... & Boudinot B. E. (2025). Ant systematics: past, present, and future. Insect systematics and diversity, 9(4), 11.


Link zur Studie (freier Zugang)

Kontaktadresse:
Jill T Oberski
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt/M.
Abt. Terrestrische Zoologie, Entomologie III
D-60325 Frankfurt am Main

jill.oberski@senckenberg.de


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