10.11.2025: Forschung CH

Stickstoffeinträge aus der Luft beeinträchtigen Brutvogelbestände

Les apports d’azote atmosphérique nuisibles pour les oiseaux nicheurs



Kim Meichtry-Stier, Pius Korner, Simon Birrer und Peter Knaus

Übermässige Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie gelangen via Luft in Böden und Gewässer und schädigen Lebensgemeinschaften. So ist die Revierdichte vieler Brutvogelarten in der Schweiz negativ mit Stickstoffdeposition korreliert – und das nicht nur in intensiv genutzten Gebieten, sondern auch in naturnahen Lebensräumen wie Wäldern oder Feuchtgebieten.

Les apports excessifs d’azote provenant de l’agriculture, des transports et de l’industrie, se retrouvent dans les sols et les milieux aquatiques via l'air et nuisent aux biocénoses. Ainsi, la densité de territoires de nombreuses espèces d’oiseaux nicheurs en Suisse est négativement corrélée à la déposition d’azote, et ce non seulement dans les zones d’exploitation intensive, mais aussi dans les habitats proches de l’état naturel tels que les forêts ou les zones humides.


Die Deposition von atmosphärischem Stickstoff (N) gilt als wichtiger Treiber für den Rückgang der Biodiversität in Europa. Forschende haben nun anhand von Erhebungen zu Brutvögeln und Lebensraumdaten in der Schweiz analysiert, wie die Stickstoffdeposition und die Anzahl Reviere von 112 Brutvogelarten korrelierten. Bei 55 Arten bestand eine negative Korrelation der Revierdichte mit Stickstoff, bei 21 eine positive. Bei 36 Arten konnte kein linearer Zusammenhang festgestellt werden.
Besonders negativ betroffen von Stickstoffeinträgen waren insekten- und samenfressende Arten, Brutvögel in Wäldern oder Feuchtgebieten, sowie etwas weniger deutlich auch Bodenbrüter und Langstreckenzieher. Unter den Arten mit positivem Zusammenhang befinden sich etliche Kulturlandarten: Dies sind häufige Arten wie Rotmilan, Bachstelze oder Star, welche mit den vorliegenden Stickstoffeinträgen zurecht zu kommen scheinen. Viele der heute seltenen Kulturlandarten wie Wachtelkönig, Kiebitz, Wiesenpieper oder Grauammer benötigen hingegen extensiv genutzte Flächen, entsprechend erwartete man für diese Arten einen negativen Zusammenhang mit Stickstoff. Sie konnten indes wegen ihrer Seltenheit nicht analysiert werden.
Die Forschenden gehen davon aus, dass Unterschiede in der Vegetation aufgrund höherer Stickstoffeinträge die Hauptursache für die Ergebnisse sind. Eine verringerte Pflanzenvielfalt, veränderte Vegetationsstrukturen und häufigeres Mähen beeinträchtigen den Lebensraum und die Verfügbarkeit von Nahrung (Wirbellose und Samen) für Brutvögel.
In der Schweiz übersteigt die Stickstoffdeposition aus der Luft die kritischen Belastungsgrenzen der meisten Ökosysteme. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Stickstoffdeposition zu reduzieren, damit eine Vielzahl von Schweizer Brutvogelarten geschützt werden kann.

Quelle: Schweizerische Vogelwarte

Keywords:
Atmosphärische Stickstoffdeposition, Biodiversität, Vogeldichten, Eutrophierung, Schweiz

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Meichtry-Stier K, Korner P, Birrer S, Knaus P (2025) Effects of nitrogen deposition on territory numbers of breeding birds. Conservation Biology, e70114.


Link zur Studie (freier Zugang)

Kontaktadresse:
Kim Meichtry
Schweizerische Vogelwarte
Seerose 1
CH-6204 Sempach
kim.meichtry@vogelwarte.ch
Tel: +41 (0)41 462 97 89


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