29.7.2005: Forschung international

Klimaerwärmung: Die Stechpalme auf dem Vormarsch




Gian-Reto Walther, Silje Berger und Martin T. Sykes

Wissenschaftler haben nachweisen können, dass sich die Stechpalme in Mitteleuropa nach Norden und Nordosten ausbreitet. Diese Ausbreitung ist ein weiteres sichtbares Beispiel für den Klimawandel.


Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist die einzige in Mitteleuropa einheimische immergrüne Laubbaumart. Sie ist besonders empfindlich gegenüber tiefen Wintertemperaturen und stellt ein klassisches Beispiel einer klimatisch bedingten Verbreitungsgrenze dar, das oft in Lehrbüchern der Botanik aufgeführt wird. Ein Forschungsprojekt an der Universität Hannover hat nun Daten aus einer Studie aus den 1940er Jahren mit neuen Daten zum Verbreitungsgebiet der Stechpalme verglichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich die Stechpalme nach Norden und Nordosten ausbreitet. In dem zweijährigen Forschungsprojekt wurde ein Zusammenhang zwischen der Ausbreitung der Stechpalme und dem Klima nachgewiesen. Die Verschiebung der Verbreitungsgrenze geht mit einem graduellen Anstieg der Wintertemperaturen einher, die an lokalen Klimastationen im Untersuchungsgebiet gemessen wurden.
Die Forscher haben zeigen können, dass die Stechpalme mittlerweile auch an der Südküste Schwedens und in ganz Dänemark zu finden ist. Dafür haben sie sowohl quantitative als auch qualitative Nachweise erbracht, indem sie den Baumbestand gezählt und zum Beispiel auf Alter, Fruchtbarkeit und Zustand näher untersucht haben. Sie stellten fest, dass es zahlreiche neue Fundorte gibt. Noch vor 50 Jahren konnte die Stechpalme in Schweden nicht nachgewiesen werden. Die damalige Verbreitungsgrenze verlief durch Dänemark und das nordöstliche Deutschland. Insbesondere in Südschweden lassen sich zahlreiche neue Fundorte nachweisen, die jünger sind als 20 Jahre. Jährlich kommen neue Fundorte hinzu. Wenn die kontinuierliche Erwärmung anhält, sei zu vermuten, dass sich die Pflanze in naher Zukunft noch weiter nach Norden ausbreitet, so die Wissenschaftler.
Mit Hilfe eines Computermodells haben die Wissenschafter die Verbreitungsgrenze der Stechpalme berechnet. Die im Feld erarbeiteten Ergebnisse bestätigen die im Modell prognostizierte Entwicklung. Gleichzeitig dienen die gesammelten Realdaten nun dazu, das Computermodell noch weiter zu verbessern. Die Stechpalme ist ein guter Bioindikator für den ablaufenden Klimawandel und deren Ausbreitung ein weiteres Indiz, dass die Auswirkungen der Klimaänderung bereits sichtbare Spuren in der Natur hinterlassen.

Keywords:
Klimawandel, Ausbreitung, Stechpalme, Ilex aquifolium

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Walther, G.-R., Berger, S., Sykes, M.T. (2005): Die Ausweitung der Stechpalme in Nordeuropa. Online-Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2005.3119
http://www.unics.uni-hannover.de/Geobotanik/CV-Walther.htm

Kontaktadresse:
Dr. Gian-Reto Walther, Silje Berger, Institut für Geobotanik der Universität Hannover, Nienburger Strasse 17, D-30167 Hannover

walther@geobotanik.uni-hannover.de, berger@geobotanik.uni-hannover.de
Tel: +49 (0)511 762 47 01 / ++49 (0)511 762 39 58
Fax: +49 (0)511 762 36 33

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