2.2.2022: Forschung CH

Der Klimawandel treibt Hasen und Raufusshühner in die Höhe

Le changement climatique pousse les lièvres et les tétraonidés dans les hauteurs



Stephanie Schai-Braun et al.

Durch den Klimawandel verschieben sich die Verbreitungsareale von Arten. Basierend auf der Jagdstrecke von zwei Raufusshuhnarten (Birkhuhn, Alpenschneehuhn) und zwei Hasenarten (Feldhase, Alpenschneehase) im Kanton Graubünden wurde die Veränderung der Jagdhöhe über einen Zeitraum von 30 Jahren untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die Jagdhöhe von Alpenschneehuhn und Alpenschneehase stärker verändert hat als von Birkhuhn und Feldhase. Die besonders an das alpine Klima angepassten Alpen-Arten scheinen also langsamer auf die zunehmenden Temperaturen zu reagieren. Mit der Verschiebung der Lebensräume in die Höhe schrumpft die besiedelbare Fläche für diese Arten, was für sie eine zusätzliche Bedrohung darstellt.

L’aire de distribution de certaines espèces se déplace en raison du changement climatique. En se fondant sur le tableau de chasse de deux espèces de tétraonidés (tétras lyre et lagopède alpin) et de deux espèces de lièvres (lièvre brun et lièvre variable) dans le canton des Grisons, l’évolution des altitudes auxquelles les animaux ont été chassés a été analysée sur une période de 30 ans. Il a été établi que les altitudes de chasse du lagopède alpin et du lièvre variable se sont modifiées moins rapidement que celles du tétras lyre et du lièvre brun. Les espèces alpines particulièrement adaptées au climat alpin semblent ainsi réagir plus lentement à la hausse des températures. Avec le déplacement des habitats en altitude, la surface que ces espèces peuvent coloniser se réduit et cela représente une menace supplémentaire.


Der globale Klimawandel führt zu Verschiebungen des potenziellen Verbreitungsareals bei Pflanzen und Tieren. Einige Arten können mit diesen Veränderungen nicht schritthalten. Zudem nimmt im Gebirge die besiedelbare Fläche mit zunehmender Verschiebung der Habitate in die Höhe ab.
Um die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Arten zu untersuchen, wurden Jagdstrecke, Klima und biogeografische Daten von zwei Raufusshuhnarten (Birkhuhn, Alpenschneehuhn) und zwei Hasenarten (Feldhase, Alpenschneehase) im Kanton Graubünden über einen Zeitraum von 30 Jahren analysiert. Basierend auf 84‘630 gejagten Tieren zeigt sich, dass alle vier Taxa ihr Verbreitungsgebiet verändert haben. Die durchschnittliche Jagdhöhe der Raufusshuhnarten verlagerte sich deutlich in höhere Lagen, während bei den Hasenarten insbesondere die minimale Höhe zunahm. Beim Feldhasen hat gleichzeitig die maximale Jagdhöhe signifikant zugenommen, was beim Schneehasen nicht der Fall war. Diese Veränderungen waren bei den an das Bergklima angepassten Lebensraumspezialisten Schneehuhn und Schneehase weniger ausgeprägt als bei den weniger spezialisierten Arten Birkhuhn und Feldhase. Die Lebensraumspezialisten scheinen also langsamer auf das sich ändernde Klima zu reagieren. Die Anzahl Frosttage und die durchschnittliche Jahrestemperatur waren dabei die wichtigsten Einflussfaktoren.
Die Verlagerung des Verbreitungsgebiets in höhere Lagen aufgrund des globalen Klimawandels wird zu einer Verringerung des Lebensraums führen, wobei die an das alpine Klima angepassten Arten weniger schnell reagieren. Der Klimawandel stellt somit eine ernsthafte Bedrohung für die Artenvielfalt im Alpenraum dar.

Quelle: CH-Wildinfo

Keywords:
Klimawandel, Alpen, Vögel, Säugetiere, Verbreitungsgebiet

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Schai‐Braun S. C., Jenny H., Ruf T., Hackländer K. (2021): Temperature increase and frost decrease driving upslope elevational range shifts in Alpine grouse and hares. Global Change Biology, 27(24), 6602-6614.


Link zur Studie (freier Zugang)

Kontaktadresse:
Amt für Jagd und Fischerei
Hannes Jenny
Ringstrasse 10
CH-7001 Chur
hannes.jenny@ajf.gr.ch
Tel: +41 (0)81 257 38 93


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