28.6.2021: Forschung CH

Kleine Biodiversitätsflächen im Siedlungsraum mit grosser Wirkung

Zone urbaine : petites surfaces consacrées à la biodiversité, grands effets



Kevin A. Vega und Christoph Küffer

Kleine Grünflächen von hoher ökologischer Qualität können im Siedlungsraum für die Förderung von Wildpflanzen und Insekten eine wichtige Rolle spielen, auch wenn ihre Gesamtfläche nur wenige Prozent der Grünfläche einer Stadt ausmacht. Wichtig ist eine gute Vernetzung.

De petites surfaces vertes avec une haute qualité écologique peuvent jouer en zone urbaine un rôle important dans la promotion des plantes sauvages et des insectes, même si leur superficie totale ne représente que quelques pour cent des espaces verts d’une ville. L’important, c’est une bonne mise en réseau.


Die Erhaltung und Förderung der Biodiversität in städtischen Räumen wird zunehmend zu einem Kernanliegen der Stadtbegrünung. Mit der weiteren Verdichtung der Städte werden urbane Grünflächen jedoch immer kleiner und isolierter.
Bisher ist unklar wie die Grösse der Flächen und die ökologische Vernetzung das Vorkommen von Wildblumen in kleinen Vegetationsflächen beeinflussen. Um diese Fragen zu klären, wurden in sieben 1 km2 grossen Flächen, welche in Zürich vom Stadtzentrum bis zum Stadtrand verteilt waren, auf jeder einzelnen öffentlichen Grünfläche grösser als 1 m2 die Gefässpflanzen erfasst. Die insgesamt über 2’100 untersuchten Flächen umfassten sowohl Baumscheiben und kleine Strassenrandfragmente als auch bis zu 3 ha grosse Wiesen.
Grundsätzlich nimmt die Anzahl Arten mit der verfügbaren Fläche zu. Diese sogenannte Arten-Areal-Beziehung wurde durch die Vegetationserhebungen bestätigt. Während auf kleinen Vegetationsflächen (<20 m2) nur etwa 5-10 Arten zu finden waren, waren es auf grossen Flächen (>300 m2) fast 10-mal mehr Arten. Dies zeigt, dass bauliche Verdichtung und der damit verbundene Verlust von Grünflächen die Vielfalt von Wildpflanzen in Siedlungsräumen bedroht. Ein Vergleich der Artenvielfalt im verdichteten Stadtzentrum von Zürich mit den stärker durchgrünten Quartieren bestätigt diesen Befund: In den Quartieren wurden pro Fläche im Durchschnitt doppelt so viele Arten gefunden.
Entscheidend für die Entschärfung dieses Konfliktes ist die ökologische Qualität der Freiflächen. Die Studie zeigt, dass viele kleine Fördermassnahmen – wie die ökologische Aufwertung einer Baumscheibe, die Entsiegelung eines Vorplatzes oder der späte Schnitt eines Wiesenstücks – in der Summe eine grosse Wirkung haben. Pro Einzelfläche wurden zwar auf kleinen Flächen von <20 m2 nur wenig Arten gefunden, aber weil sich die Artenzusammensetzung zwischen diesen Flächen stark unterscheidet, ergibt sich insgesamt eine ähnlich hohe Artenvielfallt wie auf den grossen Flächen.
Kleinen Flächen machen zwar nur 3,4% der Grünfläche aus. Sind sie aber von guter ökologischer Qualität, können sie insgesamt sehr viele Arten beheimaten. Damit dies funktioniert, müssen die Flächen aber nahe beieinander liegen und vernetzt sein. Nur so können Pflanzensamen und -pollen von einer Fläche zur nächsten gelangen. Es gilt folgende Faustregel: Mindestens alle 50 Meter sollte es eine Wildpflanzenfläche von mindestens 4 m2 Fläche geben.

Quelle: Der Gartenbau

Keywords:
Stadtökologie, Pflanzenvielfallt, Wildpflanzenförderung

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Vega K. A., Küffer C. (2021): Promoting wildflower biodiversity in dense and green cities: The important role of small vegetation patches. Urban Forestry & Urban Greening 62, 127165.


Link zur Studie (open access)

Kontaktadresse:
Kevin Vega
Sustainable Agroecosystems
ETH Zürich
Universitätstrasse 2
CH-8092 Zürich
kevin.vega@usys.ethz.ch


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