28.6.2021: Forschung CH

Fledermausreiches Zürich dank grünem Netzwerk

Richesse des chauves-souris à Zurich grâce au réseau vert



Lucia Villarroya-Villalba et al.

Durch Zürich flattern nachts mehr Fledermäuse als durch Paris oder Antwerpen. Die Verteilung und Qualität der Grünräume sowie die Nähe zu Wäldern macht den Unterschied. Vor allem vernetzte Grünräume fördern die Vielfalt von Fledermäusen und nachtaktiven Insekten.

Plus de chauves-souris volettent dans Zurich la nuit que dans Paris ou Anvers. La répartition et la qualité des espaces verts et la proximité de forêts font toute la différence. Les espaces verts connectés favorisent notamment la diversité des chauves-souris et des insectes nocturnes.


Ein in sieben Städten durchgeführtes europäisches Forschungsprogramm mit dem Namen BioVEINS hatte zum Ziel, die Bedeutung städtischer Grünräume für nachtaktive Tiere zu erforschen. Die Forschenden zeichneten in Parks und anderen Grünflächen der Städte mit speziellen Geräten die Ortungsrufe von Fledermäusen auf. Ausserdem fingen sie nachtaktive Insekten mit Lichtfallen, um die Anzahl und die Artenvielfalt der Fluginsekten mit jener von Fledermäusen vergleichen zu können.
In Zürich entdeckten die Forschenden dabei nicht nur zahlenmässig am meisten Tiere, sondern auch die grösste Artenvielfalt an Fledermäusen und Insekten. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass es in Zürich fast überall in Stadtnähe naturnahe Gebiete wie Wälder gibt und die einzelnen Grünflächen gut vernetzt sind. Ein solches «grünes Netzwerk» wirkt sich nicht nur positiv auf die Mobilität der Insekten aus, sondern auch auf jene der Fledermäuse. Auch naheliegende Gewässer sind für das Überleben der Fledermäuse ein zentraler Faktor, denn sie dienen ihnen sowohl als Wasserquelle als auch als Jagdgebiet.
Nicht alle Fledermausarten kommen jedoch mit dem Stadtleben gleich gut klar. Die Studie zeigte nämlich auch, dass Arten, die in Wäldern und Gebüschen jagen, und auch solche, die einen hohen, offenen Flugraum bevorzugen, in der Stadt seltener sind. Fledermäuse, die in halboffenen Gebieten wie beispielsweise Waldrändern jagen und in ihrem Flugverhalten sehr anpassungsfähig sind, kommen in Städten dagegen häufiger vor. Am weitaus häufigsten fanden die Forschenden in den Städten die Zwergfledermaus, welche nächtliches Kunstlicht gut verträgt. Die Studie bestätigte somit, was aus früheren Untersuchungen bereits bekannt ist: Die zunehmende Lichtverschmutzung benachteiligt vor allem lichtscheue Fledermausarten, die deshalb ihre Lebensräume verlieren.

Quelle: WSL

Keywords:
Siedlungsraum, Fledermäuse, nachtaktive Tiere, Vernetzung, Grünräume

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Villarroya-Villalba L. et al. (2021): Response of bats and nocturnal insects to urban green areas in Europe. Basic and Applied Ecology, 51, 59-70. doi: 10.1016/j.baae.2021.01.006


Link zur Studie (open access)

Kontaktadresse:
Martin Obrist
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
martin.obrist@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 24 66


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