23.6.2020: Forschung international
Natura 2000-Schutzgebiete: Nicht alle Organismengruppen profitieren gleich stark
Sites protégés Natura 2000 : bénéfices différents selon les groupes d’organismes
Vincent Pellissier et al.
Das Netzwerk der Natura 2000-Schutzgebiete der Europäischen Union schützt gefährdete Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume. Unzählige weitere Arten, die nicht im Fokus stehen, profitieren ebenfalls. Doch diese Nutzniesser sind ungleichmässig über die grossen Tiergruppen verteilt. So zieht fast die Hälfte der Vogelarten, die nicht zu den Zielarten gehören, Nutzen aus dem Natura 2000-Schutz, während bei den Tagfaltern nur ein gutes Viertel von einem solchen Mitnahmeeffekt profitiert.
Le réseau des sites protégés Natura 2000 de l’Union européenne protège les espèces menacées de la faune et de la flore et leurs habitats. D’innombrables autres espèces qui ne sont pas ciblées en profitent également. Mais ces bénéficiaires sont inégalement répartis entre les grands groupes d’animaux. Ainsi près de la moitié des espèces d’oiseaux qui ne font pas partie des espèces cibles bénéficient de la protection de Natura 2000, alors que seul un bon quart des papillons diurnes profitent de tels effets d’entraînement.
Natura 2000 zielt sehr erfolgreich auf ausgewählte Lebensräume und Arten, die von hohem Interesse für den Naturschutz in der Europäischen Union sind. Mittlerweile gibt es 27’700 Natura 2000-Gebiete, die rund 18 Prozent der Landfläche und etwa sieben Prozent der Meeresgebiete bedecken. Das Netzwerk gehört zu den weltweit erfolgreichsten Naturschutzinitiativen.
In der Natur spielen aber nicht nur die ausgewählten Zielarten eine wichtige Rolle, sondern auch viele weitere Arten, von denen man annimmt, dass sie von der Einrichtung der Natura 2000-Gebiete gleichermassen profitieren. Schwinden ihre Bestände, können Nahrungsnetze zerreissen. Der Blick auf diese weniger beachteten Arten ist daher wichtig.
Analysen zeigen nun, dass Insekten von den gegenwärtigen Schutzkonzepten weniger profitieren als andere Organismengruppen. Während fast die Hälfte der untersuchten 155 Vogelarten in Regionen mit vielen Natura 2000-Gebieten wesentlich häufiger sind, profitieren bei den Tagfaltern nur 27 der 104 untersuchten Arten von diesem Schutz.
Die Forschenden wissen, was zu tun wäre: Werden neue Schutzgebiete ausgewiesen oder wird ein Managementplan für bestehende entwickelt, sollten die bisher vernachlässigten Insekten viel besser als bisher beachtet werden. Das gilt nicht nur für Tagfalter, sondern auch für andere, häufig unscheinbarere Arten wie Mücken, Ameisen oder die vielen Bodeninsekten, die in der Natur ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen. Diese Forderung ist sowohl für die laufende Reform der europäischen Agrarpolitik als auch die Formulierung von Zielen der Biodiversitätskonvention für die Zeit nach 2020 von Bedeutung, um den anhaltenden Insektenschwund zu mildern.
Quelle: UFZ
Keywords:
Schutzgebiete, Natura 2000, Ökologische Infrastruktur, Insekten
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Pellissier V. et al. (2020): Effects of Natura 2000 on nontarget bird and butterfly species based on citizen science data, Conservation Biology 34, 666-676. https://doi.org/10.1111/cobi.13434
https://conbio.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/cobi.13434
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Josef Settele
UFZ-Department Biozönoseforschung / iDiv
Theodor-Lieser-Str. 4
D-06120 Halle
josef.settele@ufz.de
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