7.4.2020: Forschung CH
Vielfältige Landschaften sind produktiver und stabiler
Les paysages diversifiés sont plus productifs et plus stables
Jacqueline Oehri et al.
Ein Ökosystem mit einer grossen Vielfalt an Arten ist im Schnitt produktiver und stabiler als eines mit kleiner Vielfalt. Dass die Produktivität und Stabilität mit steigender Vielfalt zunehmen, gilt auch auf grösserer Skala: Vielfältige Landschaften mit einer Mischung aus Wiesen, Wäldern, Siedlungen und Gewässern sind produktiver und stabiler als eintönige Landschaften.
Un écosystème renfermant une grande diversité d’espèces est en moyenne plus productif et plus stable qu’un écosystème avec une faible diversité. Le fait que la productivité et la stabilité augmentent avec la diversité s’applique également à plus grande échelle : les paysages présentant un mélange de prairies, de forêts, de zones habitées et de cours d'eau sont plus productifs et plus stables que les paysages monotones.
In der Biodiversitätsforschung ist allgemein anerkannt, dass Ökosysteme mit weniger Arten weniger produktiv und weniger stabil sind als solche mit einer höheren Artenvielfalt. Nun haben Forschende erstmals untersucht, wie unterschiedliche Landschaftsqualitäten die Produktivität der Pflanzen in einer Landschaft beeinflussen. Die Stabilität der pflanzlichen Produktivität über die Zeit dient dabei als Hinweis für die Beständigkeit von Ökosystemdienstleistungen.
Mithilfe von Luftaufnahmen wurde die Landbedeckung von 4'974 Landschaften aus allen Regionen der Schweiz erfasst. Die Landbedeckung wiederspiegelt in der Schweiz meist die Nutzung durch den Menschen. Neben grünen Flächen wie Wiesen und Wäldern berücksichtigten die Forschenden auch stärker vom Menschen beeinflusste Flächen wie Ackerland und Siedlungen sowie Gewässer. Weiter bestimmten die Forschenden anhand von Satellitenbeobachtungen die pflanzliche Produktivität dieser Flächen über einen Zeitraum von 17 Jahren.
Dabei zeigte sich, dass Landschaften, die aus einem komplexen Mosaik unterschiedlicher Landnutzungen bestehen, im Durchschnitt eine höhere Produktivität aufweisen als solche, die weniger vielfältig sind. Dieser positive Zusammenhang zwischen diverserer Landnutzung und höherer Produktivität gilt über alle Regionen, klimatischen Verhältnisse und Höhenlagen. Zudem erwies sich die pflanzliche Produktivität diverserer Landschaften im Zeitverlauf als konstanter und somit stabiler.
Die positiven Auswirkungen der Landschaftsdiversität haben erstaunlicherweise auch keinen direkten Zusammenhang mit der Vielfalt an Pflanzenarten in den einzelnen Ökosystemen. Die Wechselwirkungen unterschiedlich genutzter Flächen verbessern und stabilisieren die Produktivität der ganzen Landschaft, ähnlich wie unterschiedliche Pflanzenarten in kleinen Flächen so zusammenwirken, dass das Ökosystem produktiver und weniger störungsanfällig ist. Auch wenn die Auswirkungen ähnlich sind, müssen bei Landschaften bisher noch unbekannte Mechanismen beteiligt sein, die auf Ökosystemebene in den bisher untersuchten kleinen Versuchsflächen gar nicht auftreten können. Welche das genau sind, wird nun weiter erforscht.
Neben der Artenvielfalt unterstützt also auch die Art und Weise, wie unterschiedliche Landbedeckungen räumlich miteinander verwoben sind, die pflanzliche Produktivität. Der neue Ansatz erlaubt es, komplexe Landschaften auf einer Skala zu analysieren, die sowohl für gewisse Ökosystemleistungen als auch für die Raumplanung und den Landschaftsschutz relevant sind. Um Entscheidungen über die Nutzung einer Landschaft auf möglichst umfassende Informationen abzustützen, sind selbstverständlich unter anderem auch Untersuchungen zu weiteren ökologischen Funktionen sowie den naturschützerischen Wert einer Landschaft nötig.
Quelle: Universität Zürich
Keywords:
Biodiversität, Landschaftsökologie, Habitatvielfalt, Produktivität
Art der Publikation:
Fachpublikation
Literatur:
Oehri J., Schmid B., Schaepman-Strub G, Niklaus P. A. (2020): Terrestrial land-cover type richness is positively linked to landscape-level functioning. Nature Communications 11, 154. doi:10.1038/s41467-019-14002-7
https://www.nature.com/articles/s41467-019-14002-7
https://www.media.uzh.ch/de/medienmitteilungen/2020/Landschaftsdiversitaet.html
PDF Link
Kontaktadresse:
Jaqueline Oehri und Pascal Niklaus
Department of Evolutionary Biology and Environmental Studies
University of Zurich
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich
jacqueline.oehri@ieu.uzh.ch
Tel: +41 (0)44 635 44 02
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