15.2.2005: Forschung CH

Biodiversität im Wald schützt Bäume vor Krankheiten




Pautasso M., Holdenrieder O., Stenlid J.

Eine grosse Vielfalt an Baumarten kann den Wald gesund halten. Die verminderte Anfälligkeit von natürlichen und artenreichen Ökosystemen auf Waldkrankheiten sowie die erhöhte Empfindlichkeit von artenarmen Plantagen auf der ganzen Welt zeigen dies deutlich. Umgekehrt können endemische Krankheitserreger die Diversität in Wäldern erhöhen oder reduzieren. Als Grundlage für ein ökologisches Waldmanagement ist deshalb ein umfassendes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Diversität und Krankheiten wichtig.


Infektionskrankheiten und Wirtsdiversität sind eng miteinander verknüpft. Diese Wechselwirkung haben wir für Bäume und Pilzkrankheiten anhand einer Literaturübersicht dargestellt. Eine hohe Baumartendiversität macht Wälder unter bestimmten Umständen weniger anfällig gegenüber Pathogenen (Versicherungshypothese). Diese Hypothese wird bestätigt durch epidemiologische Befunde aus folgenden Systemen: Weidenplantagen mit Melampsora-Rost, Reinbestände und Mischwälder mit Heterobasidion- und Armillaria-Wurzelfäule, nordamerikanische Kastanienwälder mit Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica) sowie Monokulturen von Eucalyptus spp., Picea sitchensis, Pinus radiata und Populus spp. mit verschiedenen Krankheiten. Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Eine hohe Baumartendiversität konnte das Absterben der Jarrahwälder in Australien infolge Befall mit dem polyphagen Wurzelfäuleerreger Phytophthora cinnamomi nicht verhindern. Eine relativ hohe Baumartendiversität bei gleichzeitig hoher Krankheitsanfälligkeit liegt auch in den nordamerikanischen Nadelwäldern vor, die von dem eingeführten Rostpilz Cronartium ribicola und dem einheimischen Wurzelfäuleerreger Phellinus weirii befallen sind. In Einzelfällen könnte sogar eine Erhöhung der Baumartendiversität durch Exotenanbau das Risiko einer endemischen Infektionskrankheit für einheimische Baumarten steigern, wie am Beispiel des Pathosystems Pinus contorta – Gremmeniella abietina in Schweden gezeigt wird. Faktoren, welche den Effekt der Baumartendiversität auf die Krankheitsentwicklung beeinflussen, sind die Verbreitungsstrategie der Pathogene, ihre Aggressivität und ihr Wirtsspektrum, die abiotischen Umweltbedingungen sowie die Zeit- und Raumskala auf der die verschiedenen Komponenten des Pathosystems interagieren. Baumkrankheiten können auch zur Erklärung der aktuell vorhandenen Diversität beitragen: So kann die Baumartenvielfalt in Wäldern durch die spezifische Krankheitsanfälligkeit bestimmter Baumarten erhöht werden, wie die Janzen-Connell Hypothese postuliert, oder sie kann auch reduziert werden, wie verschiedene Beispiele eingeschleppter Krankheiten zeigen. Abschliessend werden Forschungsperspektiven für ein verbessertes Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Diversität und Krankheit als Grundlage für ein nachhaltiges Waldökosystem-Management diskutiert.

Keywords:
Plantagen, Rostpilz, Störung, Wald, Wurzelfäule

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Pautasso M., Holdenrieder O., Stenlid J. (2005): Susceptibility to fungal pathogenes of forests differing in tree diversity. In: Forest Diversity and Function: Temperate and Boreal Systems. Scherer-Lorenzen M., Körner Ch., Schulze E.-D. (eds.). Springer, Berlin. Ecological Studies, Vol. 176, pp. 263-289.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Ottmar Holdenrieder, Eidgenössische Technische Hochschule
Departement Umweltwissenschaften, Forstpathologie & Dendrologie, ETH-Zentrum, Raemistr. 101, CH-8092 Zürich
ottmar.holdenrieder@env.ethz.ch
Tel: +41 (0)44 632 32 01
Fax: +41 (0)44 632 13 80

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