7.9.2004: Forschung CH
Bulldoggfledermäuse beim Sonnenbad
Martin C. Fischer
Das nördlichste Verbreitungsgebiet der Europäischen Bulldoggfledermaus (Tadarida teniotis) liegt in den Schweizer Südalpen. Eine Studie hat gezeigt, dass die Fledermäuse aufgrund physiologischer Zwänge auch während den Wintermonaten jagen müssen. Tun sie dies nicht, sinken die Überlebenschancen deutlich.
Die Europäische Bulldoggfledermaus (Tadarida teniotis) hat eine mediterrane Verbreitung. Ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet liegt in den Schweizer Südalpen (Tessin und Wallis). Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bulldoggfledermaus während dem Winter gelegentlich aktiv ist; während harten Wetterperioden bleibt sie allerdings für einige Tage in Starre. T. teniotis überwintert bei höheren Temperaturen als alle anderen europäischen Fledermäuse. Schlafplatztemperaturen von weniger als 6-7°C erduldet sie nur für kurze Zeit. Ausserdem muss die Bulldoggfledermaus auch im Winter jagen. Hierfür sind vermutlich physiologische Einschränkungen verantwortlich, denn die meisten Arten der Familie der Molossidae, zu der die Bulldogfledermäuse gehören, haben eine Verbreitung zwischen der tropischen und gemässigten Zone. Die Studie ist der Frage nachgegangen, ob die winterliche Nahrungsaufnahme opportunistisch oder diktiert ist.
Drei Bulldoggfledermäuse wurden mit einem temperatursensitiven Radiosender ausgestattet und während dem Winter 2002/03 im Wallis verfolgt. Das Jagdverhalten und die Körpertemperatur von T. teniotis waren von besonderem Interesse. Um die vorhandenen Beuteinsekten abschätzen zu können, wurden zwei Lichtfallen verwendet. Die Lichtfallen zeigten, dass die verfügbaren Beuteinsekten am Winteranfang aus Eulenfaltern (Noctuidae) und Köcherfliegen (Trichoptera) bestand, mitten im Winter aus wenigen Noctuidae und Ende Winter aus verhältnismässig vielen Noctuidae und Geometridae (Spanner). Die tiefste Körpertemperatur während der Starre war 5,55°C; die längste ununterbrochene Starre-Periode dauerte 20 Tage.
Alle überwinternden Säugetiere müssen periodisch während dem Winterschlaf aufwachen. Dies ist mit Energiekosten verbunden. Bei T. teniotis kommt der Energieaufwand für's Fliegen hinzu. Der Energiegewinn während Jagdflügen ist aber meistens ähnlich gross oder sogar grösser als die Flugkosten. Das winterliche Fliegen erleichtert vermutlich auch die Elimination von akkumulierten Stoffwechselprodukten.
Die Bulldoggfledermäuse entschieden meistens anhand der Temperatur, an welchen Tagen sie auf die Jagd gingen. Meistens waren es relativ warme Wintertage. T. teniotis kann die Aussentemperatur von ihrer Spalte aus abschätzen, denn die Schlafplätze weisen kleine Temperaturfluktuationen auf. Ende Winter wurden zwei Bulldoggfledermäuse beim Sonnenbaden entdeckt – ein Verhalten, das bei Fledermäusen erstmals beobachtet werden konnte.
Es scheint so, als könnte T. teniotis Vorteile aus dem unbedingten Aufwachen ziehen, um ihre Fettreserven während dem Winter wieder aufzufüllen. Die Fettreserven ermöglichen ihr, den Energiehaushalt auszubalancieren, welcher sonst wahrscheinlich negativ wäre.
Keywords:
Tadarida teniotis, Europäische Bulldoggfledermaus, Winterschlaf, Tessin
Art der Publikation:
Diplomarbeit
Literatur:
Fischer M.C. (2004). Winter foraging in the European free-tailed bat Tadarida teniotis (Molossidae): Opportunistic or constrained? Diplomarbeit, Universität Bern.
www.conservation.unibe.ch
Kontaktadresse:
Martin C. Fischer
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