26.10.2015: Forschung CH

Vorteile von räumlichen Fang-Wiederfang-Modelle

Les avantages des modèles spatiaux de capture-recapture



Pierre Mollet et al.

Fang-Wiederfang-Methoden werden oft gebraucht, um bei wildlebenden Tierarten Populationsgrössen schätzen zu können. Bei seltenen und/oder störungsempfindlichen Tierarten ist diese Methode aber heikel. Mit räumlichen Fang-Wiederfang-Modellen kann man heute aber recht genaue Schätzresultate erzielen und gleichzeitig sowohl den Aufwand für die Feldarbeit als auch die Störung für die Tiere auf ein Minimum reduzieren. Forschende haben dies am Beispiel von Kotproben einer Auerhuhn-Population im Kanton Schwyz gezeigt.

Les méthodes de capture-marquage-recapture sont souvent utilisées pour estimer les tailles des populations d’animaux sauvages. Cette méthode est délicate avec les espèces animales rares et/ou sensibles au dérangement. Avec le modèle spatiale de capture-recapture, on peut aujourd’hui obtenir des estimations assez précises et en même temps réduire au minimum le travail de terrain et le dérangement des animaux. C’est ce que des scientifiques ont montré dans le canton de Schwytz à l’aide d’échantillons d’excréments d’une population de grands tétras.


Traditionelle Methoden für das Schätzen der Populationsgrösse beim Auerhuhn liefern entweder keine zuverlässigen absoluten Zahlen, sondern nur ein relatives Mass (beispielsweise die Zählung der Hähne am Balzplatz), oder sie sind im stark coupierten Gelände der Voralpen und der Alpen meist nicht anwendbar (z.B. die Sommer-Treiberkettenzählung).
Eine mögliche Alternative wären Schätzungen mit Fang-Wiederfang-Methoden: Tiere müssen gefangen, markiert, wieder freigelassen und nach einer Weile erneut gefangen werden. Auerhühner sind jedoch sehr störungsanfällig, weshalb sie nicht gefangen werden sollten. Heute kann man dieses Problem so umgehen, indem man ein Gebiet systematisch nach Auerhuhn-Kot absucht, aus den einzelnen Proben DNA der Darmepithelzellen, die im Kot enthalten sind, extrahiert und damit einen genetische Fingerprints der vorhandenen Individuen herstellt.
Auch mit derart identifizierten Individuen braucht es allerdings Wiederholungen, d.h. mehr als eine «Fangaktion», damit ein Fang-Wiederfang-Modell funktioniert. Man müsste also mindestens zwei Mal im Feld Kot sammeln, was mehr Aufwand und mehr Störung für die Tiere verursacht.
Neuere, sogenannte räumliche Fang-Wiederfang-Modelle integrieren die exakte Lokalität aller Kotfunde als zusätzliche Information. Gelingt es, alle oder die meisten Individuen mehrfach an mehreren Orten nachzuweisen, kann man dank solchen räumlichen Wiederholungen auf die zeitlichen Wiederholungen verzichten und mit den Daten aus nur einer Feldbegehung relativ genaue Schätzungen der Populationsgrösse vornehmen.
Mit dieser Methode schätzten wir die Anzahl Auerhühner in allen bekannten Auerhuhn-Gebieten des Kantons Schwyz (insgesamt rund 18 km2 Fläche). Wir identifizierten 127 Individuen: 77 Hähne, 46 Hennen und 4 Individuen mit unbekanntem Geschlecht. Die Schätzung der Gesamtpopulation ergab 137 Individuen (95% CRI 130 – 147). Ausserdem fanden wir Hinweise auf ein zugunsten der Hähne verschobenes Geschlechterverhältnis. Basierend auf dem gefundenen Geschlechterverhältnis von 0,63 schätzte das Modell ein tatsächliches Geschlechtsverhältnis von 0,58. Eine Simulationsstudie ergab zudem, dass wir mit einer auf 75% reduzierten Kotproben-Stichprobe noch ungefähr dieselbe Schätzgenauigkeit erzielt hätten.

Quelle: Schweizerische Vogelwarte

Keywords:
Auerhuhn, Bestandsschätzung, Nicht-invasive DNS, Räumliches Fang-Wiederfang-Modell

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Mollet P. et al. (2015): Estimating Population Size for Capercaillie (Tetrao urogallus L.) with Spatial Capture-Recapture Models Based on Genotypes from One Field Sample. PLoS ONE 10(6): e0129020. doi:10.1371/journal.pone.0129020
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0129020

Download

Kontaktadresse:
Pierre Mollet, Schweizerische Vogelwarte, Seerose 1, CH-6204 Sempach
pierre.mollet@vogelwarte.ch
Tel: +41 (0)41 462 97 41


Zurück zur Liste