29.9.2015: Forschung international

Vielfalt sorgt für Stabilität unter den Tieren in freier Wildbahn

La diversité entraîne la stabilité chez les animaux sauvages



Forsman A., Betzholtz P-E., Franzén M.

Warum die Populationsgrössen von Pflanzen- und Tierarten mehr oder weniger stark schwanken, ist eine Frage, die die Ökologie schon lange bewegt. Forscher untersuchten in Südschweden über einen Zeitraum von elf Jahren nachtaktive Kleinschmetterlinge (Motten). Sie fanden heraus, dass individuelle Unterschiede der Tiere eine positive und stabilisierende Wirkung auf die Population haben. So verfügen Nachtfalterarten mit variabler Farbzeichnung in der Regel über grössere Populationen, die zudem von Jahr zu Jahr weniger schwanken.

Pourquoi le taille des populations de plantes et d’animaux fluctue plus ou moins est une question qui préoccupe les écologues depuis longtemps. Des scientifiques ont étudié dans le sud de la Suède pendant onze ans des papillons nocturnes (mites). Ils ont trouvé que les différences individuelles entre les insectes avaient une influence positive et stabilisante sur les populations. Les espèces de papillons de nuit dont les taches de couleur sont variables avaient en général des populations plus grandes et de plus faibles oscillations annuelles.


Es ist seit langem bekannt, dass die Grösse der Populationen von einigen nachtaktiven Falterarten von Jahr zu Jahr stark schwankt, während die Populationen anderer Arten über die Jahr hinweg relativ stabil sind. Weshalb das so ist, war bislang zu grossen Teilen unklar. Ein Forscherteam hat nun über einen Zeitraum von elf Jahren Motten an einem Standort in Südschweden mit einer Lichtfalle gesammelt. Dabei konnten über 115’000 Motten von 246 verschiedenen Arten untersucht werden. Die Forscher zählten auch, wie viele Falter pro Art sie in den verschiedenen Jahren fangen konnten.
Zur Auswertung wurden die Arten in drei verschiedene Gruppen eingeteilt – je nachdem wie stark sich die Musterung zwischen den Individuen innerhalb jeder Art unterschied. Dabei wurden mehr Individuen von Arten erfasst, die stark in Farbe und Zeichnung variierten, und weniger Individuen von Arten, die wenig oder gar keine Farbvariationen aufwiesen. Bei letzteren schwankte zudem die Anzahl der Motten zwischen den verschiedenen Jahren sehr stark. Die Beziehung zwischen der Farbvariation und der Stabilität war jedenfalls nicht dadurch beeinflusst, dass jene Arten mit grosser Variation in Farbe und Zeichnung nur während einer kurzen Zeit des Jahres aktiv waren oder nur wenige Wirtspflanzen als Nahrungsquelle nutzen konnten. Daher ist es ziemlich sicher, dass es die Unterschiede in Farbe und Musterung sind, die diese Dynamik hervorrufen.
Die Populationsschwankungen verliefen zwischen den verschiedenen Arten sehr unterschiedlich. Dies deutet darauf hin, dass die Änderungen durch biologische Prozesse und nicht aufgrund von abiotischen Prozessen wie zum Beispiel durch schwankende Wetterbedingungen hervorgerufen worden sind. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die abwechslungsreiche Färbung dafür sorgt, dass Fressfeinde weniger effektiv beim Jagen sind und mehr Individuen übersehen. Die individuellen Unterschiede tragen zu einer erhöhten Stabilität der Falterpopulationen bei. Damit deckt sich die Schlussfolgerung mit früheren Studien zu Fröschen, Eidechsen und Schlangen, die bestätigen, dass eine grössere Variation in der Färbung einer Art ein Schlüssel zum Erfolg in der freien Wildbahn ist.
Die Ergebnisse haben auch praktische Bedeutung. Informationen über Tierfarbzeichnungen können in der Naturschutzbiologie verwendet werden, um festzustellen, welche Arten besonders bedroht sind und daher vordringlich geschützt werden sollten. Vielleicht können die Ergebnisse auch helfen, vorherzusagen, welche Arten in ihrem Bestand von Jahr zu Jahr so stark schwanken werden, dass sie Schäden in der Land- oder Forstwirtschaft verursachen.

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)


Keywords:
Motten, Stabilität, Schmetterlinge, Bestäuber



Literatur:
Forsman A., Betzholtz P-E., Franzén M. (2015): Variable coloration is associated with dampened population fluctuations in noctuid moths. Proceedings of the Royal Society B 282: 20142922.
http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2014.2922

Kontaktadresse:
Dr. Markus Franzén (in englischer Sprache)
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Theodor-Lieser-Straße 4
D-06120 Halle

Markus.franzen@ufz.de
Tel: +49 (0)345 558 5315


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