Rapport annuel 2024 pour

SGH/SSH/SSI: Société suisse d'hydrogéologie


Président/Présidente: Adrian Auckenthaler

De: Adrian Auckenthaler, adrian.auckenthaler@bl.ch

Zusammenfassung


Die Schweizerische Gesellschaft für Hydrogeologie SGH ist eine Fachgesellschaft mit rund 340 Mitgliedern aus allen Landesteilen. Sie ist das Bindeglied zwischen Wissenschaft, Praxis und Verwaltung auf dem Gebiet der Hydrogeologie. Ein wesentliches Element ist dabei die Auseinandersetzung mit den aktuellen relevanten Fragestellungen im Bereich Grundwasser und deren Bezug zur Praxis.

Das Jahr 2024 war für die SGH ein besonderes: In Zusammenarbeit mit dem Centre d'Hydrogéologie et de Géothermie (CHYN) der Universität Neuenburg konnte die SGH den jährlich stattfindenden Grundwasserkongress der International Association of Hydrogeologists (IAH) in Davos durchführen. 

Die SGH hat zudem vier Arbeitsgruppen gebildet, um Herausforderungen im Bereich Grundwasser frühzeitig zu erkennen und Lösungsansätze aufzuzeigen Die Arbeitsgruppen bearbeiten die Themen «Grundwasser als Element im integralen Wassermanagement», «Grundlagendaten für Grundwassermodelle», «Schutz und Nutzung der Grundwasservorkommen» und «Trockenheit und Grundwasser». 



Publikationen


Ausgehend von Schlussfolgerungen und Resultaten der Arbeitsgruppen der SGH werden in unregelmässigen Abständen wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. Entsprechende Ausarbeitungen fliessen auch in Anleitungen und Praxishilfen des Bundes ein.



Tagungen / Kurse


Die SGH führt jährlich eine Generalversammlung (GV) durch und richtet eine Tagung zu einem übergeordneten Grundwasserthema aus, an der rund 100 Personen teilnehmen. Die Generalversammlung findet jeweils online statt. Nur der Vorstand trifft sich vor Ort. Die GV dient dazu, über die Tätigkeiten der Gesellschaft zu berichten und die Arbeiten in den fachlichen Arbeitsgruppen vorzustellen. Die GV fand am 17. April 2024 statt.

Die Jahrestagung der SGH 2024 wurde durch den Swissday am IAH «World Groundwater Congress» in Davos ersetzt. Die Idee war neben den Mitgliedern der SGH auch weitere Hydrogeologinnen und Hydrogeologen anzusprechen und Mitgliedern, die nur einen Tag an den Kongress kommen konnten, die Möglichkeiten zu geben auf einheimischem Terrain internationale Kontakte zu knüpfen. Die weiteren Informationen zum Kongress und dem Swissday siehe unter «Internationale Aktivitäten».

Am Swiss Geoscience Meeting 2024 war die SGH zudem Co-Organisator des Symposiums „Hydrology and Hydrogeology“.



Internationale Aktivitäten


A) Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Die SGH bildet das Schweizerische nationale Komitee der International Association of Hydrogeologists (IAH). In dieser Funktion konnte sie im September 2024 den «World Groundwater Congress» der IAH in Davos ausrichten. 

Der «World Groundwater Congress» ist die wichtigste internationale Veranstaltung zu Grundwasser unter der Schirmherrschaft der «International Association of Hydrogeologists (IAH)». Zum ersten Mal seit 30 Jahren fand der Kongress wieder in der Schweiz statt, organisiert von der Schweizerischen Gesellschaft für Hydrogeologie (SGH) und dem Zentrum für Hydrogeologie und Geothermie (CHYN) der Universität Neuenburg. Während der einwöchigen Veranstaltung im Kongresszentrum DAVOS vom 9. bis 13. September 2024 trafen sich mehr als 1000 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft, um die neuesten Erkenntnisse zum Thema Grundwasser austauschen, innovative Methoden vorzustellen und drängende Herausforderungen zu diskutieren. Der Kongress bot eine einmalige Gelegenheit, die Schweizer Grundwasserkompetenz international zu profilieren und vom Wissen internationaler Akteure zu profitieren.

Erfreulich ist, dass der Kongress in Davos weltweit grossen Anklang fand. Es kamen Teilnehmende aus 85 Nationen. Unter den zehn am meisten vertretenen Länder waren die Nachbarländer der Schweiz aber auch China, die USA, Canada und Australien. Aus der Schweiz nahmen rund 300 Personen Teil, knapp 100 davon nur am Swissday. Neben den SGH Mitgliedern kamen auch viele nicht Mitglieder nach Davos.

Die Idee des Swissday war, den Kongress attraktiv für die in der Praxis arbeitenden Hydrogeologinnen und Hydrogeologen zu gestalten, der Schweizer Hydrogeologie-Community mittels eines 1-Tages-Tickets die Teilnahme zu ermöglichen und ihr die Möglichkeit des Austausches mit der internationalen Forschungs-Community zu geben. Die am Swissday gewählten Themen Wasserqualität, Trockenheit, Temperatur, Energiewende und Grundlagenprozesse hatten denn auch eine hohe Relevanz für die Schweiz und insbesondere für die Schweizer Praxis.

Während des Kongresses gab es 51 Sessionen mit insgesamt 879 Präsentationen. Davon waren 497 Vorträge, 31 eingeladene Speaker und 351 Poster Präsentationen. Daneben gab es weitere Veranstaltungen wie Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung, Plenarversammlung, neun Fokus Events, 11 Netzwerk- und Kommissionsevents, 15 Exkursionen und sieben Workshops. Die Plenarversammlungen wurden als Podiumsdiskussionen anstatt Einzelvorträge durchgeführt um besser von den unterschiedlichen Kenntnissen und Erfahrungen der Podiumsteilnehmenden zu profitieren. Ein wichtiges Thema der Plenarversammlung war die Ausbildung der Hydrogeologinnen und Hydrogeologen. Neben der geforderten Breite der Ausbildung – immer mehr Projekte sind multidisziplinär – ist die fachliche Tiefe zur Beantwortung der spezifischen Fragestellungen notwendig. 

An den Fokus Events wurden Themen diskutiert, wie die wichtiger werdende Disziplin der Cryo-hydrologie der Bergregionen, die grenzüberschreitenden Grundwasservorkommen mit gemeinsamem Grundwassermanagement und der Austausch über Erfahrungen zu mobilen Spurenstoffen und deren Reduzierung in der Umwelt.

Für die Mitglieder der SGH besonders interessant war der Vergleich von Themen, die auf internationaler Ebene diskutiert werden und auch für die Schweiz von Relevanz sind. Dies betrifft zum einen die Auswirkungen der Trockenheit auf Grundwassersysteme (Prozesse, Überwachung und Voraussagen). Aus internationaler Sicht wird die Abschätzung der Vulnerabilität bzw. Resilienz von Grundwasservorkommen gegenüber Trockenheit anhand historischer Daten und statistischer Verfahren zunehmend ein wichtiger Faktor bei der Grundwasserbewirtschaftung. Dabei werden neue Methoden (z.B. Machine Learning) und Daten (z.B. Remote Sensing) für eine verbesserte Vorhersage der Auswirkung von Trockenheit auf das Grundwasser und den davon abhängigen Sektoren und Ökosystemen eingesetzt. Für die Schweiz ist dabei wichtig, mehr flächendeckende und langfristige Messzeitreihen von Grundwasserständen und Quellschüttungen zu haben, da diese vielerorts die Abschätzung der Vulnerabilität gegenüber Trockenheit verbessern würden. Die präsentierten Modellansätze bieten zudem eine Auswahl an möglichen Verfahren, um kurz- und mittelfristige Vorhersagen in den Bergregionen zu erhalten, wo die Grundwassernutzung stark von lokalen Grundwasservorkommen abhängt.

Zum anderen wurden Grundwassertemperaturen im Kontext mit der globalen Erwärmung und anthropogenen Einflüssen im Sinne von Risiken und Chancen diskutiert. Auf internationaler Ebene haben anthropogene Aktivitäten wie Urbanisierung und Landnutzungsänderungen erhebliche Auswirkungen auf die Grundwassertemperaturen und Ökosysteme. Der Anstieg der Grundwassertemperaturen bietet Potenzial für eine nachhaltige, multifunktionale thermische Nutzung von Grundwasser, insbesondere in urbanen Gebieten. Für die Schweiz ist dabei die Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit thermischen Auswirkungen auf das Grundwasser zu beachten (z.B. Motion Jauslin). Zudem war die Vorstellung von Ansätzen zur Bewertung thermischer Auswirkungen und der Nutzung geothermischer Potenziale, insbesondere im Zusammenhang mit urbaner Infrastruktur wichtig. 

Das Feedback der Teilnehmenden aus dem In- und Ausland zum gesamten Kongress, den wissenschaftlichen Beiträgen, dem internationalen Austausch, den Exkursionen und den diversen sozialen Events war durchwegs positiv. 

 

B) Institutionelle Zusammenarbeit

Die SGH beteiligt sich aktiv am regelmässig stattfindenden Austausch mit Geologenverbänden in der Schweiz. Eine Zusammenarbeit besteht mit dem Schweizer Grundwassernetzwerk CH-GNet. Vertreter aus dem Vorstand der SGH sind im Beirat und im Leitungsteam des CH-GNet vertreten. 



Nachwuchsförderung


Die SGH hat zur Förderung junger Berufseinsteiger einige Jahre einen Hydrogeologie-Preis für eine qualitativ hochstehende Abschlussarbeit vergeben. Die Vergabe des Preises war nicht einfach, da es auf dem Gebiet der Hydrogeologie nur sehr wenige Master- oder Bachelorarbeiten gibt. 

An der Generalversammlung der SGH wurde daher diskutiert, anstatt Studienabgängerinnen und Schulabgänger bereits die Maturandinnen und Maturanden anzusprechen und ihnen die Geologie und Hydrogeologie näher zu bringen, anstatt mit dem Hydrogeologie-Preis erst die Studierenden abzuholen. 



Forschungsunterstützende Informations- und Koordinationsaufgaben


Die SGH ist Mitglied im Beirat und im Leitungsgremium des Schweizer Grundwasser Netzwerks CH-GNet, welches ein Gremium zur Koordination und Förderung praxisorientierter Forschung in der Schweiz bildet. Mit dieser Zusammenarbeit kann die SGH auf aktuelle forschungsrelevante hydrogeologische Themen ihrer Mitglieder aufmerksam machen und an der Jahrestagung können die Forschungsresultate einem breiten Publikum an Fachexpertinnen und Fachexperten präsentiert werden.



Früherkennung


Die Arbeitsgruppen der SGH haben zum Ziel, relevante hydrogeologische Themen frühzeitig aufzugreifen und zu koordinieren. Über ihre Laufzeit erarbeiten sie an Aktualität und Bedarf ausgerichtete Zusammenstellungen bzw. Standpunkte, welche einen vertieften Diskurs ermöglichen und einen substantiellen Beitrag zu Problemlösungen leisten sollen.



Ethik


Die SGH ist Mitglied des Swiss Water Partnership SWP, einer Plattform des humanitären und Entwicklungssektors, auf der Fachleute aus dem akademischen, privaten und öffentlichen Bereich sowie von Nichtregierungsorganisationen hinsichtlich der Wasserthematik in Verbindung treten. Es ist im Eigeninteresse und erscheint moralische Pflicht, wasserarme Länder bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen im Bereich (Grund)wasser mit Wissen und Lösungsansätzen zu unterstützen. Hauptziele des SWP sind der Austausch von Erfahrungen sowie eine verbesserte Koordination der Aktivitäten im Wassersektor, um sicherzustellen, dass von der in der Schweiz vorhandenen Expertise auf internationaler Ebene profitiert werden kann.



Dialog mit der Gesellschaft


Grundwasser bildet die Ressource für 80% der Trinkwasserversorgung des Landes und ist damit von höchster gesellschaftlicher Relevanz. Die SGH äussert sich im Zusammenhang mit Anhörungen und Vernehmlassungen zu Richtlinien und Gesetzen, welche das Grundwasser oder die Arbeit als Hydrogeologe betreffen, bzw. nimmt zu technischen und gesellschaftlichen Fragen mit Bezug zum Grundwasser Stellung. Der Austausch mit den Fachgesellschaften der Nachbardisziplinen erfolgt fortlaufend, ebenso wie die Koordination im Rahmen des scnat sowie mit dem Berufsverband der Geologen CHGEOL.