Plattform Naturwissenschaften und Region
Mit dem Abschluss der Retrodigitalisierung und der digitalen Verfügbarkeit aller KRG-Publikationen sowie der Einführung der neuen Richtlinien zur Publikations-Unterstützung wurde die Publikationstätigkeit der KRG wieder routinemässig weitergeführt. In der Folge beschäftigen sich KRG nun vermehrt mit der Umstellung auf neue und/oder hybride Publikationskonzepte.
An der Präsidentenkonferenz 2024 wurde der Umgang mit politisch relevanten wissenschaftlichen Themen und die verschiedenen Rollen, welche die KRG dabei wahrnehmen können, behandelt. Es besteht klarer Konsens, dass sich die KRG als ernstzunehmende Akteure im Dialog Wissenschaft-Gesellschaft solchen Themen – die oft kontrovers diskutiert werden – nicht verschliessen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Herangehensweise an solche Themen sehr unterschiedlich ist und stark davon abhängt, wie die KRG grundsätzlich ihre Rolle als Vermittlerin von wissenschaftlichen Erkenntnissen verstehen. Das wichtige Thema soll im nächsten Jahr weiter vertieft werden.
Anhand von ausgewählten aktuellen Schwerpunktthemen, die sowohl von den KRG wie auch von der SCNAT gemeinsam bearbeitet werden, soll die inhaltliche und kommunikative Zusammenarbeit der SCNAT mit den KRG gestärkt und die institutionelle Sichtbarkeit der KRG auf nationaler Ebene verbessert werden. Die Themen wurden an der Präsidentenkonferenz vorgestellt. Die nachhaltige Etablierung dieser Idee erweist sich aber angesichts der sehr heterogenen Planungs- und Entscheidungsverfahren als nicht einfach.
Während sich der Einsatz von Videos und Streaming von Vorträger mittlerweile recht breit etabliert hat, schreitet die Nutzung von Social Media in den KRG weiterhin eher zaghaft voran, mit einzelnen Ausnahmen. Mittels Interviews mit acht Social Media Verantwortlichen von KRG wurde eine Auswertung der bisherigen Erfahrung vorgenommen. Es zeigt sich, dass eine professionelle Begleitung/Unterstützung zum Aufbau solcher Aktivitäten meist essentiell ist.
Die Suche nach einer/m neuen Präsidentin/en der Plattform als Nachfolger von Pascal Mäser konnte mit der Wahl von Julien Leuthold erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Plattform NWR ist eingebunden in die Arbeit der Kommission Wissenschaft und Gesellschaft des Akademienverbundes. Die Plattform bringt dort das im Verbund einzigartige Netzwerk ihrer regional verankerten Dialog-Akteure ein.
Die Aktivitäten der Plattform NWR in den einzelnen Leistungsbereichen werden primär von den Mitgliedgesellschaften erbracht, für Details wird daher auf die Jahresberichte der KRG verwiesen.
Im Berichtsjahr wurden von der Plattform NWR 16 Periodika unterstützt. Hervorzuheben ist der umfangreiche Berichteband der St.Gallischen Naturwissenschaftliche Gesellschaft, der vermutlich letztmals in diesem Umfang in gedruckter Form erscheint. Verschiedene KRG prüfen derzeit die Umstellung auf neue, hybride Formate. Im Vordergrund stehen dabei gedruckte magazin-artige, regionalspezifische Publikationen, mit ergänzendem digitalem Material auf den Webseiten. Für eine allfällige Anpassung des Schlüssels zur Berechnung der Unterstützungsbeiträge müssen aber noch mehr Erfahrungen vorliegen. Die Periodika der Mitgliedgesellschaften sind auf dem Organisationsportal der Plattform NWR zugänglich.
Zusätzlich konnte die Plattform die Publikation «Erforschungsgeschichte der Geologie der Glarner Hauptüberschiebung» unterstützen.
Wiederum haben verschiedene KRG botanische und zoologische Bestimmungskurse durchgeführt.
Die Biodiversität stand im Fokus der Herbsttagung der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft. Die von der «Murithienne» im Wallis zum Thema Biodiversität geplante Tagung musste auf 2025 verschoben werden.
Die Plattform unterstützt die Nachwuchsförderungs-Aktivitäten der Gesellschaften, die stark vom Milizengagement und dem jeweiligen lokalen Beziehungsnetz ihrer Akteure geprägt sind. 2024 sind die Aufwändungen für die Nachwuchsförderung um 5% angestiegen, auf 19% der Transferbeiträge. Sie bildet damit eine wichtige Aktivität zur Sichtbarkeit der KRG in den Regionen. Dazu tragen insbesondere die Preise für die besten Maturaarbeiten aus der Region bei, die von sieben KRG vergaben werden. Die Preisverleihungen sind in der Regel mit öffentlichen Anlässen verbunden. Drei weitere Preise honorieren themenspezifische Forschungsarbeiten oder besonderes Engagement von jungen Forschenden für die naturwissenschaftliche Forschung in den Regionen.
Leuchtturmprojekte der Nachwuchsförderung sind nach wie vor die Kinderuni und das Kinderlabor Physik der Naturwissenschaftliche Gesellschaft Winterthur. Umso erfreuter durften wir 2024 zur Kenntnis nehmen, dass die NGW für dieses grosse Engagement mit dem Jugendpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet wurde. Der Preis würdigt den Einsatz der NGW, naturwissenschaftliche Themen und Forschung auf kindgerechte Weise an Schüler:innen zu vermitteln. Mit der Kinderuniversität verfolgt die NGW auch das Ziel, Kinder anzusprechen, die bislang wenig Berührungspunkte mit der Wissenschaft hatten.
Die Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen hat, in Ergänzung zu ihrem erfolgreichen Anlass «Science Slam», in Zusammenarbeit mit ihrer Sternwarte die Nachwuchs-Aktivitäten ausgebaut. Das Schulprojekt der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft ANG für die Sekundarstufe sowie das Projekt „TechEcole“ in Neuenburg wurden weitergeführt.
In dieser Rubrik wird über die Tätigkeiten der Geschäftsstelle informiert, die zum Grundbetrieb gehören. Dies umfasste 2024
· Die Durchführung von 3 Präsidiums-Sitzungen (Präsenz und hybrid), an denen sowohl die Projekte des Präsidiums bearbeitet wie auch die zyklischen Geschäfte wie die Behandlung der Beitragsgesuche der Mitgliedgesellschaften und Budgetierung erledigt wurden. Die Budgetierung war wiederum schwierig, da die Anträge den verfügbaren Kredit bei weitem übersteigen, und das Präsidium kaum finanziellen Spielraum hat für Projekte der Plattform. Im Rahmen des Projekts der Dachorganisation «Handlungsspielraum der SCNAT erweitern» hat das Präsidium Sparmöglichkeiten diskutiert. Dabei hat sich gezeigt – was angesichts der knappen Mittel der Plattform zu erwarten war – dass bei der Plattform NWR selber der Gestaltungsspielraum sehr begrenzt ist.
· Im März hat das Präsidium mögliche Strategien zur Weiterentwicklung der Plattform diskutiert. Die Bemühungen, mittels ausgewählten gemeinsamen Schwerpunktthemen, die in durch mehreren KRG gleichzeitig bearbeitet werden, auf nationaler Ebene eine gewisse Sichtbarkeit für die Institutionen der regionalen naturforschenden Gesellschaften als Ganzes zu erreichen, erwiesen sich als schwierig, denn die Themenwahl und die Planung der Programme erfolgt in den eigenständigen Gesellschaften in sehr unterschiedlichen Verfahren. Die Information über wichtige Themen der SCNAT aus erster Hand im Rahmen der Präsidentenkonferenz sowie mittels gezielter Mailings stösst aber bei den KRG auf reges Interesse und soll weiter gepflegt werden. Mit einer besseren Verlinkung und Verschlagwortung auf den Webseiten könnte vermutlich auch schon ein Mehrwert erzielt werden. Von einer finanziellen Steuerung zu Gunsten von Schwerpunktthemen wird abgesehen.
· Im Präsidium gab es 2024 keine Mutationen zu verzeichnen. Eine zentrale Aufgabe war jedoch die Suche einer Nachfolge von Plattform-Präsident Pascal Maeser, dessen Amtszeit Ende Jahr abgelaufen ist. Die SCNAT hat dazu eine kleine Findungskommission eingesetzt. Mit Julien Leuthold, Präsident der SVSN, konnte ein junger Nachfolger gefunden werden. Für kommende Vakanzen im Präsidium wurden erste Vorabklärungen vorgenommen. Dabei ist es dem Präsidium ein wichtiges Anliegen, den Frauenanteil zu erhöhen.
· Der Plattform Leiter nimmt Einsitz in Kommission Wissenschaft und Gesellschaft des Akademien-Verbundes, die in erster Linie dem Erfahrungsaustausch dient. Unter anderem konnte in der Folge Inhalte aus KRGs in das Social Media Projekt WuDu (Wissenschaft und Du) von Science&Cité eingespiesen werden. Ein Input zur Wirkungsmessung von Wissenschaftskommunikation hat vor Augen geführt, dass zwar der Output einfach gemessen werden kann, eine Beurteilung der effektiven Wirkung aber ungleich schwieriger und vermutlich nur mit unverhältnismässigem Aufwand machbar ist. Einzelne KRG haben eigene (einfache) Abklärungen zur Resonanz ihrer Angebote durchgeführt.
· Die Präsidentenkonferenz wurde als Präsenzanlass durchgeführt, mit einer sehr guten Beteiligung. Behandelt wurde der Umgang mit politisch relevanten Themen, und die verschiedenen Rollen, welche die KRG dabei wahrnehmen können und wollen. Viele dieser Themen werden zum Teil kontrovers diskutiert. Bürgerinnen und Bürger erwarten von der Wissenschaft «neutral» zu sein und Fakten zu liefern. Entsprechend ist es auch für die KRG als Akteure im Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft eine Kernaufgabe, mit zeitgemässem und konsolidiertem Wissen zu einer sachlichen Meinungsbildung beizutragen. 3 Ausgezeichnete Referate zeigten die vielfältigen Herausforderungen, Risiken und Chancen in dieser Aufgabe. Es gab - überraschend deutlich - Konsens, dass die KRG sich mit solchen Themen beschäftigen sollen. Ihre Vorstellungen, WIE das konkret ausgestaltet werden soll, sind aber recht unterschiedlich und hängen davon ab, wie sie grundsätzlich ihre Rolle verstehen. Das Thema soll an der PK 2025 vertieft werden.
In einem zweiten Teil wurde technische und organisatorisch Fragen zur Aufzeichnung bzw. zum Streaming von KRG Anlässen behandelt. Weiter wurden wichtige Themenschwerpunkte der SCNAT von den zuständigen Projektleitenden vorgestellt: Quantenforschung bzw. die Quantum Initiative, Biodiversität und ökologische Infrastruktur, biodiversitäts- und landschaftsverträglicher Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung in der Schweiz.
· Die Plattform NWR beteiligt sich am Citizen Science-Netzwerk von Science&Cité und bietet die Verbindung mit entsprechenden Engagements und Projekten ihrer Mitglieder. Der Plattform-Leiter hat an einem Workshop von Science&Cité zur Umsetzung von konkrete Massnahmen zur Förderung von Citizen Science teilgenommen. Es ist der Plattform ein Anliegen, dass Citizen Science auch auf Ebene der Trägerschaften von solchen Projekten «bodenständig» und nah bei den Bedürfnissen der Zielgruppen bleibt.
Der Dialog mit der Gesellschaft ist die Kernaktivität der Plattform NWR, wobei die Aktivitäten primär von den einzelnen Gesellschaften getragen werden. Die Plattform NWR hat in fast allen kantonalen und regionalen Gesellschaften ein sehr vielseitiges Angebot von Vortragsreihen, Exkursionen, Podien, öffentlichen Anlässen und Wissenschafts-Cafés unterstützt. In einige Gesellschaften gehört es mittlerweile zum fixen Angebot, Anlässe live zu streamen oder als Video-Aufzeichnungen zum Nachschauen zur Verfügung zu stellen.
Während sich der Einsatz von Videos und Streaming mittlerweile recht breit etabliert hat, schreitet die Nutzung von Social Media in den KRG weiterhin eher zaghaft voran. Die Geschäftsstelle bemüht sich, die bisher vorhandenen Erfahrungen mit den interessierten Gesellschaften zu teilen und sie beim Aufbau von Social Media Aktivitäten zu unterstützen. Der Plattform-Leiter hat mit Social Media Verantwortlichen aus 8 KRG Interviews durchgeführt, die einen Einblick in die Anwendung und die Bedeutung von Social Media in den KRG erlauben. Am aktivsten genutzt werden Instagram und facebook. Die Grenzen des Milizsystems zeigen sich aber auch hier, denn wir stellen fest, dass solche Entwicklungen von neuen Aktivitäten in vielen Fällen eine professionelle Begleitung benötigen bzw. erst dadurch auch angestossen werden. In Winterthur ist es so gelungen, eine neue Zielgruppe (Jugendliche) zu erreichen und auch einzubindnen.
Als eigenständige Vereine sind die KRG grundsätzlich völlig frei in der Wahl ihrer Themen und Kanäle für die Vermittlung von Wissenschaft in die Bevölkerung. Um auf nationaler Ebene eine bessere Sichtbarkeit zu erzielen und auch die Zugehörigkeit zur Nationalen Dachorganisation zu zeigen, versucht die Plattform, zwei bis drei aktuelle Themen, zu denen in vielen KRG ein Interesse besteht, als Schwerpunktthemen zu portieren und bestehende Aktivitäten und Produkte der SCNAT damit zu verbinden. Diese Themen (Ausbau erneuerbarer Energieproduktion, Biodiversität und ökologische Infrastruktur) wurden an der Präsidentenkonferenz 2024 vorgestellt (vgl. vorhergehendes Kapitel).
Gut funktioniert die Vermittlung von Expert:innen auf Anfrage von KRG durch die Geschäftsstelle.
2024 konnte in Lausanne ein erster Anlass im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsreihe Parkforschung und KRG durchgeführt werden. Die Pärke von nationaler Bedeutung bieten ein grosses Potential für herausragende Naturwerte bzw. sind Musterräume für nachhaltige Entwicklung einerseits und typisch regionale (Feld)Forschung anderseits, zudem vielfältige Exkursionsgelegenheiten. Gemeinsame Interessen (und Zielpublika) sind damit eigentlich vorhanden. Daher sollen 3-4 KRG zusammen mit einem Park in ihrem Einzugsgebiet einen öffentlicher Abend-Anlass organisieen. Die Initiative wird fachlich vom FoLAP unterstützt.
Die Naturforschende Gesellschaft Nid- und Obwalden (NAGON) hat für ihre Wildrosenkartierung und ihr Engagement für Biodiversität in Schularealen einen regionalen Nachhaltigkeitspreis erhalten.
In Winterthur konnte die Erforschung und Dokumentation der Stadt-Biodiversität durch die von der NGW aufgebaute Gruppe «Winti-Scouts» ausgebaut und verstetigt werden.
In Davos wurden biologische und ökologische Exkursionen in verschiedenen lokalen Lebensräumen mittels Videos dokumentiert. Diese Videos wurden nun 2024 für verschiedene öffentliche Folgeanlässe weiter verwertet.
Im Weiteren verweisen wir bezüglich Dialogaktivitäten auf die Jahresberichte der einzelnen Gesellschaften.