Jahresbericht 2020 für

Plattform Biologie


Präsident/Präsidentin: Christoph Scheidegger

Von: Pia Stieger, pia.stieger@scnat.ch

Zusammenfassung


Neben der alljährlichen Organisation des Rigi-Workshops für Doktorierende hat sich die Plattform Biologie stark mit dem Projekt "naturwissenschaftliche Sammlungen" und dem Round Table für Forschungsinfrastrukturen in der Biologie "RoTaBio" befasst. Ein Handbuch für Sammlungsmanagement und die Biology Roadmap for Research Infrastructures 2025-2028 by the Swiss Biology Community werden im ersten Quartal 2021 publiziert werden, 2 Meilensteine für die Plattform Biologie. Zudem haben sich Mitglieder der Expertengruppe SwissCollNet für die Finanzierung eines Sondermandates für naturhistorische Sammlungen eingesetzt und den Zuschlag für die Initiative Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen – SwissCollNet von 2021-2024 erhalten.



Publikationen


Im Rahmen des Projektes SwissCollNet wurden die Vorarbeiten für die Publikation eines Handbuchs für das Arbeiten mit Sammlungen abgeschlossen. Das "Handbook on natural history collections management - a collaborative Swiss perspective" ist der erste Beitrag von SwissCollNet, um den Wissensaustausch unter Schweizer Sammlungen zum Thema Objekt- und Datenmanagement zu unterstützen. Geschrieben von Expertinnen und Sammlungsmanagern aus verschiedenen Schweizer naturhistorischen Institutionen, enthält es einen Überblick über das Gebiet und Empfehlungen zur Modernisierung von Sammlungen von biologischen Objekten und geologischen Proben. Das Buch wird im März 2021 in elektronischer Form und gedruckt herausgegeben.



Tagungen / Kurse


Rigi-Workshop 2020: Im Rahmen des alljährlich organisierten Rigi-Workshops haben sich Doktorierende aus verschiedenen Schweizer Universitäten mit dem Thema « Ecosystems under pressure. Agriculture, forestry and conservation under global change » auseinandergesetzt und in zahlreichen Diskussionen mit den Dozierenden eine Publikation erarbeitet, welche die Herausforderungen zur Erhaltung von Ökosystemen und mögliche Lösungsansätze aus der Sicht des wissenschaftlichen Nachwuchses zusammenfasst.

Der Workshop Storytelling and storyboarding science hat im Oktober am Zurich Film Festival stattgefunden. Am Workshop haben Doktorandinnen und Doktoranden aus verschiedenen Hochschulen der Schweiz gelernt, ihre Forschungsresultate für ein interessiertes Publikum zu verschriftlichen, haben verschiedene Techniken der Filmkommunikation anhand von Beispielen kennengelernt, selbständig kurze Filme gedreht und am Festival anwesende Regisseurinnen und Regisseure interviewt.

Gender webinars Eine Projektgruppe der Plattform Biologie, in welcher Präsidentinnen und Präsidenten verschiedener Mitgliedsgesellschaften der Plattform vertreten sind, setzt sich mit der Frage der Diversität und der Gleichstellung auseinander. Das Organisationskomitee plant für 2021 verschiedene Webinare zu diesen Themen.



Internationale Aktivitäten


A)

EMBL-SCNAT Workshop in Bern: EMBL hat in diesem Jahr sein neues 5-Jahres-Wissenschaftsprogramm vorbereitet, welches sich auf die Erforschung des Lebens in seiner Umwelt konzentriert. Als Teil dieses Prozesses wollte sich EMBL mit den Forschungsgemeinschaften seiner Mitgliedsstaaten zusammenkommen und Wissen austauschen. Insbesondere war EMBL daran interessiert, mit Schweizer Kollegen Themen wie Land- und Wasser-Ökosysteme; menschliche Interaktionen mit unserer Umwelt, einschließlich des Mikrobioms; Infektionsbiologie und medizinische Bioinformatik; Datenwissenschaft; theoretische Biologie und Technologieentwicklungen in Bezug auf diese Bereiche zu diskutieren. In einem Workshop haben sich Delegierte von EMBL mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Schweiz ausgetauscht. Der Workshop ist im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation erfolgt.

B)

Beteiligung an der EU COST Aktion CA17106 MOBILISE: Holger Frick vertritt das Schweizer Netzwerk Naturwissenschaftlicher Sammlungen SwissCollNet und die SCNAT im Management Committee von MOBILISE. Naturwissenschaftliche Sammlungen in Europa beherbergen ca. 1,5 Milliarden (1,5x10^9) biologische und geologische Sammlungsobjekte, die etwa 80% der bekannten aktuellen und vergangenen Bio- und Geodiversität auf der Erde repräsentieren. Der Zugang zu und die Mobilisierung der enthaltenen Daten und des dank dieser Sammlungen aufgebauten Wissens sind das Kernstück der MOBILISE Cost Action. Forschungsdaten und die Forschergemeinschaft, die einen solch unschätzbaren Reichtum zur Verfügung stellt, sind von zentraler Bedeutung, um wissenschaftliche Fortschritte zu fördern und zu unterstützen. Das letztendliche Ziel dieser COST-Aktion MOBILISE ist der Aufbau eines kooperativen, integrativen, von unten nach oben gerichteten und reaktionsschnellen Netzwerks mit aktiver Beteiligung europäischer Interessengruppen, um die Forschung im Bereich der Biodiversität und der Geodiversitätsinformatik zu unterstützen. MOBILISE wird den Wissens- und Technologietransfer zwischen den Interessengruppen erleichtern und die Lücken zwischen der Forschung im Bereich der biologischen Vielfalt und der Geodiversitätsforschung und den bewährten Verfahren der Informationstechnologie schliessen.



Nachwuchsförderung


Biology week: In diesem Jahr waren 2 verschiedene biology weeks für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus der ganzen Schweiz vorgesehen. Zusammen mit der Life Science Graduate School Zürich hat die Plattform einen Kurs zum Thema Neurobiologie organisiert. Zudem war eine Woche auf dem Col de Jaman zum Thema Biodiversität vorgesehen. Leider mussten beide Kurse bedingt durch Einschränkungen wegen Covid-19 auf das Jahr 2021 verschoben werden.

Prix Schläfli: Die Anatomie der Pflanzen ist beschrieben, dachte man. Und dann entdeckt Alice Berhin eine Art Schutzschicht an den Wurzelspitzen von Keimlingen. Dafür wurde sie mit dem Prix Schläfli in Biologie ausgezeichnet.



Forschungsunterstützende Informations- und Koordinationsaufgaben


SwissCollNet: Schweizer Naturmuseen, Botanische Gärten, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen unterhalten Sammlungen mit über 60 Millionen Exemplaren von Tieren, Pilzen, Pflanzen, Gesteinen und Fossilien. Von diesen Exemplaren sind nur 17 % digital verfügbar. Um die Digitalisierung zu beschleunigen, zu harmonisieren und besser zu koordinieren, wurde von der Akademie der Wissenschaften Schweiz zusammen mit den Schweizer Sammlungsinstitutionen die Initiative SwissCollNet initiiert. Im Jahr 2020 lag der Fokus auf dem Austausch von «best practice» Erfahrungen der Schweizer Sammlungsinstitutionen unter Berücksichtigung der internationalen Entwicklungen. Basierend auf den Ergebnissen eines eintägigen Workshops mit SammlungsexpertInnen aus Hochschulen, Museen und botanischen Gärten der Schweiz hat die von der SCNAT einberufene Expertengruppe Projektgruppen zusammengestellt, welche in zahlreichen Diskussionsrunden Methoden für das Anlegen, Aufarbeiten und Konservieren von Sammlungen ausgetauscht und Standards definiert haben. Des Weiteren wurden Erfahrungen mit der Datenaufnahme und Digitalisierung von Sammlungsbeständen und einzelnen Objekten aus Sammlungsinstitutionen der Schweiz und aus internationalen Sammlungsstätten zusammengetragen (siehe Publikationen).

Zudem haben Mitglieder der Expertengruppe einen ersten Entwurf einer nationalen Sammlungsstrategie für die Schweiz erstellt, welcher der Verband der naturwissenschaftlichen Museen und Schweiz und Liechtenstein (musnatcoll) mit den betroffenen Institutionen weiterentwickeln und validieren wird. Ebenfalls erfolgt sind Vorbereitungsarbeiten zur Aufnahme von Metadaten über den Bestand und Zustand der naturhistorischen Sammlungen der Schweiz mit einem international angewandten Verfahren.

Zudem haben sich Mitglieder der Expertengruppe SwissCollNet weiter für die Finanzierung des Sondermandates für naturhistorische Sammlungen 2021-2024 eingesetzt. Die SCNAT hat den Zuschlag für die Initiative Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen – SwissCollNet im Rahmen des Mehrjahresprogrammes 2021-2024 der Akademien der Wissenschaften Schweiz erhalten.

Round table für Forschungsinfrastrukturen in der Biologie RoTaBio: Aufgrund positiver Erfahrungen in den Bereichen Physik und Astronomie hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation die SCNAT beauftragt, Round Tables für Forschungsinfrastrukturen auch in anderen Bereichen der Naturwissenschaften zu etablieren und Roadmaps zu erstellen. WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Bereichen der Biologie sind zusammengekommen und haben in einem ersten Schritt Infrastrukturbedürfnisse identifiziert. Für die Formulierung einer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen für die Biologie wurde ein für die ganze Forschungsgemeinschaft offener bottom-up Ansatz und ein breites Reviewing angewendet. Die Roadmap wird im ersten Quartal 2021 publiziert werden. 



Dialog mit der Gesellschaft


Global Science Film Festival: Der Biologe und Filmemacher Samer Angelone hat vom 6.-7. November 2020 in Zürich wieder ein Film Festival organisiert, an welchem wissenschaftsnahe Kurz- und Langfilme hätten gezeigt werden sollen. Leider konnte das Festival nicht vor Ort stattfinden und es wurden einzelne Filme online zugänglich gemacht.