24.6.2026: Recherche suisse

Tagfalterfauna teilweise stabilisiert, Totholzkäfer mit positivem Trend

Faune des papillons de jour en partie stabilisée, tendance positive pour les coléoptères xylophages



Felix Neff et al.

Auf Basis von 1,2 Millionen Funddaten wurde rekonstruiert, wie sich die Artenvielfalt von Tagfaltern und Totholzkäfern im Zeitraum 1930 bis 2021 verändert hat. Im letzten Jahrhundert gab es deutliche Rückgänge in beiden Organismengruppen. Während Totholzkäfer in den letzten Jahrzehnten einen positiven Trend zeigen, haben sich Tagfalter seit den 1980er-Jahren auf tiefem Niveau stabilisiert.

Sur la base de 1,2 million de données d’observations, l’évolution de la diversité des espèces de papillons diurnes et des coléoptères xylophages entre 1930 et 2021 a été reconstituée. Au cours du siècle dernier, ces deux groupes d’organismes ont connu des déclins significatifs. Alors que les coléoptères xylophages affichent une tendance positive depuis quelques décennies, les papillons diurnes se sont stabilisés à un niveau bas depuis les années 1980.


Auf der Grundlage von Meldungsdaten aus der Datenbank von info fauna, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Fauna, rekonstruierten Forschende Veränderungen der Artenvielfalt von 216 Tagfalter- und 595 Totholzkäferarten in der Schweiz zwischen 1930 und 2021. Es zeigten sich in beiden Gruppen deutliche Abnahmen der mittleren Artenzahl zwischen 1930 und den 1960er-Jahren. Die Totholzkäfer stabilisierten sich danach, und die Artenvielfalt stieg vor allem seit den 2000er-Jahren wieder auf das Niveau von 1930 an. Die Tagfaltervielfalt nahmen noch bis in die 1980er-Jahre ab. Tagfalter konnten sich seither nicht erholen, sodass sie heute mit durchschnittlich 12 % weniger Arten deutlich unter dem Niveau von 1930 liegen. Dies ist besonders im Mittelland (-29 %) und in den nördlichen Voralpen (-13 %) ausgeprägt, wo die landwirtschaftliche Nutzung und Besiedlung am intensivsten sind.
Die stärksten Rückgänge, vor allem der Tagfalterarten, fielen in die Phase der Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft (1950–1980), begleitet von struktureller Vereinheitlichung der Landschaft und verstärktem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Im Wald stiegen dagegen der Holzvorrat und das Alt- und Totholzangebot nach dem Holzhunger des 19. Jahrhunderts stetig an.
Die Stabilisierung bei den Tagfaltern dürfte auf die zunehmenden Umweltschutzbemühungen seit den 1990er-Jahren zurückgehen: Diverse Agrarumweltprogramme sowie Biodiversitätsförderflächen wurden eingerichtet. Totholzkäfer haben von der naturnahen Waldbewirtschaftung, der Ausweisung von Totholzinseln und Naturwaldreservaten sowie zusätzlich von der Klimaerwärmung und grossen Sturmereignissen profitiert.
Sowohl bei den Totholzkäfern als auch bei den Tagfaltern haben spezialisierte Arten über den gesamten Zeitraum am stärksten abgenommen und konnten sich auch weniger oder nicht erholen. Und während wärmeliebende Arten seit den 1980er-Jahren in beiden Gruppen deutlich zugenommen haben, sanken die Zahlen der kälteliebenden Arten.

Quelle: Agroscope

Mots-clés :
Tagfalter, Totholzkäfer, Datenbank, Monitoring, Landnutzung, Klimawandel

Type de publication:
publication spécialisée

Littérature :
Neff F, Bollmann K, Chittaro Y, Gossner MM, Herzog F, Korner-Nievergelt F, Litsios G, Martínez-Núñez C, Moretti M, Rey E, Sanchez A, Knop E (2026) Ninety-year trends reveal sharpest insect declines in the mid-twentieth century. Nature Ecology & Evolution. doi.org/10.1038/s41559-026-03074-6.


Link zur Studie (freier Zugang)

Adresse de contact :
Felix Neff
Agroscope
Reckenholzstrasse 191
CH-8046 Zürich
felix.neff@agroscope.admin.ch
Tel: +41 (0)58 463 54 20


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