24.6.2026: Recherche suisse
Für Bestäuber zählt das ganze Quartier
Pour les pollinisateurs, tout le quartier compte
Merin Reji Chacko et al.
Blütenreiche Privatgärten fördern in dicht bebauten Stadtquartieren vor allem Wildbienen und Hummeln. Andere wichtige Bestäubergruppen wie Käfer und Schwebfliegen profitieren dagegen kaum von einzelnen grünen Inseln. In Städten sind daher nicht nur einzelne Gärten, sondern zusammenhängende Lebensräume auf Quartierebene entscheidend für die Bestäubung.
Les jardins privés riches en fleurs dans les quartiers urbains densément bâtis favorisent surtout les abeilles sauvages et les bourdons. D’autres groupes importants de pollinisateurs comme les coléoptères et les syrphidés profitent en revanche peu de ces îlots verts isolés. Dans les villes, ce ne sont donc pas seulement des jardins isolés, mais des habitats cohérents au niveau de tout un quartier qui sont déterminants pour les pollinisateurs.
Auch in dicht bebauten Städten suchen Insektenarten nach geeigneten Blüten und Lebensräumen. Um besser zu verstehen, welche Arten unter welchen Bedingungen Pflanzen bestäuben, untersuchten Forschende in Zürich 24 Gärten mit unterschiedlich grossem Blütenangebot und unterschiedlicher baulicher Verdichtung im Umfeld. Rund 30 Freiwillige beobachteten dort über einen Monat hinweg an mehreren Tagen sämtliche blütenbesuchenden Insekten während jeweils neun Stunden.
Die Untersuchung zeigte, welche Insektenarten im Tagesverlauf welche Blüten besuchen und wie gut sie diese bestäuben. Gleichzeitig wurden die Mundwerkzeuge der gefangenen Tiere vermessen. Die Länge der Zungen bestimmt, welche Blüten ein Insekt nutzen kann: Nur Arten mit langen Zungen erreichen tief liegenden Nektar in spezialisierten Blüten, während Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen auf offen zugängliche Blüten angewiesen sind.
Die Auswertungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Bestäubergruppen. In blütenreichen Gärten der dicht bebauten Innenstadt waren besonders grosse Wildbienen und Hummeln häufig. Vermutlich können sie dank ihrer Körpergrösse auch weitläufigere versiegelte Flächen überwinden und isolierte Blüteninseln erreichen. Auch kleinere Wildbienen mit relativ langen Zungen profitierten von einem vielfältigen Blütenangebot. Pflanzen, die auf langzüngige Bestäuber angewiesen sind, können deshalb selbst in stark verdichteten Stadtteilen noch gut bestäubt werden.
Anders sieht es bei Schwebfliegen und Käfern aus. Diese Gruppen traten mit zunehmender Verdichtung deutlich seltener auf – unabhängig davon, wie attraktiv einzelne Gärten waren. Offenbar fehlen ihnen in dicht überbauten Quartieren geeignete Lebensräume. Schwebfliegen benötigen grössere Grünflächen, während viele Käfer auf Totholz oder andere naturnahe Lebensraumstrukturen angewiesen sind. Entsprechend werden Pflanzen, die von diesen Gruppen bestäubt werden, in stark verbauten Stadtteilen seltener bestäubt und bilden weniger Samen und Früchte.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer biodiversitätsfördernden Stadtplanung. Einzelne naturnahe Gärten können wichtige Beiträge leisten, reichen aber nicht aus, um die Vielfalt der Bestäuber langfristig zu sichern. Entscheidend sind vernetzte Grünräume und geeignete Lebensräume auf Ebene ganzer Quartiere – insbesondere dort, wo Städte weiter verdichtet werden.
Quelle: WSL
Mots-clés :
Bestäuber, Gärten, Siedlungsökologie
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Reji Chacko M, Frey DJ, Albrecht M, Ghazoul J, Moretti M (2026) No one‐size‐fits‐all: Trait‐dependent effects of local plant diversity on pollinators and pollination service in a densifying city. Journal of Applied Ecology 63(5), e70384.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Marco Moretti
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
marco.moretti@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 2674
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