24.6.2026: Recherche suisse

Klarere Seen während der Covid-Pandemie

Lacs plus clairs pendant la pandémie de Covid



Wu D. et al.

Die pandemiebedingten Lockdowns führten zu weniger Industrieproduktion, Verkehr und Freizeitaktivitäten. Das wirkte sich weltweit positiv auf die Wassertrübung in Seen aus, vor allem in Uferregionen und Flussmündungen.

Les confinements liés à la pandémie ont entraîné une baisse de la production industrielle, du trafic routier et des activités de loisirs. Cela a eu un effet positif sur la turbidité de l’eau des lacs à l’échelle mondiale, en particulier dans les zones riveraines et les estuaires.


Die Covid-19-Pandemie führte zu einer einmaligen Situation für die Seenforschung. Mit den Lockdowns, die zwischen 2020 und 2022 weltweit verhängt wurden, kam das öffentliche Leben vielerorts nahezu zum Erliegen. Freizeitaktivitäten und Tourismus gingen drastisch zurück, Handel und Verkehr brachen ein, Industrie und Landwirtschaft produzierten weniger. Diese Ausnahmesituation ermöglichte es einem internationalen Forschungsteam mit Schweizer Beteiligung direkt zu beobachten, wie sich menschliche Aktivitäten auf Seeökosysteme und die Trübung ihres Wassers auswirken. Trübes Wasser lässt weniger Licht in tiefe Gewässerschichten dringen, hemmt somit das Pflanzenwachstum und begünstigt Sauerstoffmangel am Gewässergrund.
Zwischen 2017 und 2022 untersuchten die Forschenden die Trübung von 774 Seen weltweit. Grundlage waren Satellitendaten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms «Copernicus Global Land Service», die das Team mithilfe statistischer Modelle und künstlicher Intelligenz auswertete.
Im Jahr 2020 sank die maximale Trübung der Seen im globalen Durchschnitt um 7 % gegenüber 2019. Davon lassen sich knapp 6 % direkt auf die Pandemie-Massnahmen zurückführen – unabhängig von Klimaeinflüssen wie Niederschlag oder Wind. Einzeln betrachtet wiesen 75 % der untersuchten Seen eine geringere maximale Trübung auf. 168 Seen verzeichneten sogar einen Rückgang von durchschnittlichen 19 %. Als Indikator für menschliche Aktivitäten nutzen die Forschenden das von den Satelliten beobachtete Nachtlicht: je dunkler die Welt, desto inaktiver die Menschheit. Die Seen wurden vor allem in Uferzonen und Flussmündungen klarer – Zonen, die besonders stark von menschlichen Aktivitäten und Abflüssen aus Siedlungsflächen und Landwirtschaft beeinflusst sind.
Die aussergewöhnliche Situation während der Pandemie zeigt, dass Massnahmen zur Reduktion menschlicher Belastungen die Wasserqualität in Seen tatsächlich schnell und messbar verbessern kann. Allerdings: Die Verbesserungen waren nur temporär. Mit der Lockerung der Massnahmen 2022 stiegt die Trübung rasch wieder an. Die Forschenden nennen aber Massnahmen, die langfristig zu klareren Seen führen könnten: Strengere Vorschriften für die Abwasserreinigung, die Optimierung städtischer Entwässerungsnetze, die Eindämmung von Bodenerosion und Abflüssen in der Landwirtschaft sowie die Förderung nachhaltiger Landbewirtschaftung und ein wirkungsvoller Gewässerschutz.

Quelle: Eawag

Mots-clés :
Covid-19-Pandemie, Seetrübung, Ökosysteme

Type de publication:
publication spécialisée

Littérature :
Wu D, Liu W, Makowski D, Tang T, Greenwood EE, Huang Y, Ciais P, Zhang H, Du T, Xia X, Odermatt D (2026) COVID-19 containment and control reduced lake turbidity around the world. Communications Earth & Environment 7(201).


Link zur Studie (freier Zugang)

Adresse de contact :
Daniel Odermatt
Eawag
Überlandstrasse 133
CH-8600 Dübendorf
daniel.odermatt@eawag.ch
Tel: +41 (0)58 765 68 23


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