24.6.2026: Recherche internationale
Lichtverschmutzung verändert Nahrungsnetze an Flussufern
La pollution lumineuse modifie les réseaux trophiques des berges
Collins Ogbeide et al.
Lichtverschmutzung beeinflusst die Energie- und Nährstoff-Flüsse zwischen Gewässern und angrenzenden Uferlebensräumen stärker als eine invasive Flusskrebsart. Die Beleuchtung entlang von Gewässern kann offenbar weitreichende Folgen für ganze Nahrungsnetze haben.
La pollution lumineuse influence davantage les flux d’énergie et de nutriments entre les cours d’eau et les habitats ripicoles adjacents qu’une espèce envahissante d’écrevisse. L’éclairage le long des cours d’eau peut apparemment avoir des conséquences considérables pour l’ensemble du réseau trophique.
Zunehmende menschliche Aktivitäten entlang von Flüssen und Bächen verändern die natürlichen Verbindungen zwischen aquatischen und terrestrischen Lebensräumen. Besonders die künstliche Beleuchtung in der Nacht nimmt weltweit stark zu, etwa durch Strassenlampen oder Infrastruktur entlang von Gewässern. Gleichzeitig breiten sich invasive Arten wie der aus Nordamerika stammende Signalkrebs in europäischen Fliessgewässern weiter aus. Beide Faktoren gelten als bedeutende Stressoren für Süsswasserökosysteme und haben Auswirkungen, die über das eigentliche Gewässer hinausreichen.
Um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen, analysierte ein Forschungsteam den Einfluss nächtlicher Beleuchtung und invasiver Flusskrebse auf das Fressverhalten der gemeinen Streckerspinne (Tetragnatha extensa) an Gewässerufern. Die Spinnen spielen eine wichtige Rolle in terrestrischen Nahrungsnetzen und ernähren sich vor allem von Insekten, die aus dem Wasser schlüpfen. Die Untersuchung wurde in einer experimentellen Anlage in Landau in der Pfalz (D) mit 16 künstlichen Bächen und angrenzenden Uferbereichen durchgeführt, die miteinander verbundene Wasser- und Landökosysteme realitätsnah simulierte. Mithilfe stabiler Stickstoff- und Kohlenstoffisotope verfolgten die Forschenden den Transport von Energie und Nährstoffen zwischen den beiden Lebensräumen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Beutetiere, die als Larven im Wasser leben, sowohl unter natürlichen Bedingungen als auch bei Lichtverschmutzung und Anwesenheit invasiver Flusskrebse einen wesentlichen Teil der Nahrung der Spinnen ausmachten. Unter nächtlicher Beleuchtung veränderte sich jedoch die Zusammensetzung der Nahrung deutlich: Die Spinnen frassen eine grössere Vielfalt an Beutetieren. Gleichzeitig änderte auch der invasive Signalkrebs unter Beleuchtung sein Fressverhalten und ernährte sich verstärkt von Zuckmückenlarven und kleinen Krebstieren wie Gammariden. Der erhöhte Frassdruck auf die Zuckmückenlarven verringerte deren Schlupf und veränderte dadurch wiederum die Nahrungsgrundlage der Spinnen an Land.
Insgesamt wirkte sich die Lichtverschmutzung stärker auf die Nahrungsnetze aus als die invasive Art selbst. Die Studie macht deutlich, dass künstliche Beleuchtung als Umweltfaktor bislang unterschätzt wird, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Gewässern. Licht verändert nicht nur das Verhalten einzelner Arten, sondern kann den Energiefluss und den Nährstofftransport zwischen Wasser- und Landlebensräumen grundlegend verschieben. Für Naturschutz und Gewässermanagement unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung, Lichtverschmutzung stärker in Schutz- und Planungsmassnahmen einzubeziehen, um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten.
Quelle: vbio.de
Mots-clés :
Lichtverschmutzung, Nahrungsnetze, Land- und Wasserlebensräume, Stoff-Flüsse, Spinnen
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Ogbeide C, Arias M, Bollinger E, Burgazzi G, Burgis F, Manfrin A, ... & Schulz R (2026) Artificial light at night and invasive signal crayfish alter aquatic‐terrestrial food webs. Functional Ecology.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Ralf Schulz
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
iES Landau, Institut für Umweltwissenschaften
Fortstraße 7
D-76829 Landau
r.schulz@rptu.de
Tel: +49 (0) 6341 280 31327
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