24.6.2026: Recherche internationale
Versteckte Insektenvielfalt in Grashalmen: Ungemähte Refugien fördern Biodiversität in Wiesen
Diversité d’insectes cachés dans les brins d’herbe : les refuges non fauchés favorisent la biodiversité dans les prairies
Teja Tscharnke, Péter Batáry und Stefan Vidal
Im Innern von mehrjährigen Grashalmen lebt oft unbemerkt eine erstaunliche Vielfalt an Wespen, Gallmücken, Fliegen und Käfern. Diese vielfältigen und spezialisierten Lebensgemeinschaften geraten durch regelmässige Mahd unter Druck. Die kaum beachteten Arten können durch ungemähte Bereiche gefördert werden.
À l’intérieur des brins d’herbes vivaces vit souvent de manière inaperçue une diversité surprenante de guêpes, de cécidomyies, de mouches et de coléoptères. Ces biocénoses variées et spécialisées subissent une pression par des fauches régulières. Des espèces rarement observées peuvent être favorisées grâce aux zones non fauchées.
Wenn über Biodiversität in Wiesen gesprochen wird, stehen meist gut sichtbare Tier- und Pflanzengruppen oder grossräumige Muster im Vordergrund. Eine umfangreiche Untersuchung lenkt den Blick nun auf eine weitgehend übersehene Gemeinschaft spezialisierter Insekten, die im Innern von Grashalmen lebt.
Das Forschungsteam analysierte mehrere ein- und mehrjährige Grasarten. Insgesamt wurden über 23 000 einzelne Halme gesammelt, vermessen, geöffnet und auf Insekten untersucht. Larven wurden im Labor aufgezogen, um eine eindeutige Bestimmung der Arten zu ermöglichen. Zusätzlich analysierten die Forschenden die Nahrungsbeziehungen zwischen Gräsern, pflanzenfressenden Insekten und parasitischen Wespen.
Dabei zeigte sich eine überraschend hohe biologische Vielfalt. In den zehn mehrjährigen Grasarten wurden insgesamt 255 Insektenarten nachgewiesen, während in den fünf einjährigen Grasarten keine einzige Art gefunden wurde. Rund ein Drittel der Arten ernährt sich direkt von den Gräsern. Dazu gehören etwa Halmfliegen (Chloropidae) und Gallmücken (Cecidomyiidae). Die übrigen Arten sind vor allem parasitoide Wespen, die sich auf diese Pflanzenfresser spezialisiert haben. Von den insgesamt nachgewiesenen Arten gelten fast zwei Drittel als auf Gräser spezialisiert, etwa die Hälfte davon sogar auf einzelne Grasarten. Besonders artenreich waren lange Halme mehrjähriger Gräser. Mit zunehmender Halmlänge nahm auch die Zahl der darin vorkommenden Insektenarten zu.
Die Ergebnisse weisen auf ein bislang wenig beachtetes Problem der Grünlandbewirtschaftung hin. Regelmässige Mahd zerstört die intakten Halme, in denen viele der Arten überwintern oder ihre Entwicklung abschliessen. Gerade stark spezialisierte Insekten sind deshalb auf dauerhaft ungestörte Bereiche angewiesen. Nach Einschätzung der Forschenden sollten Teile des Grünlands über mehrere Jahre ungemäht bleiben, damit stabile Populationen dieser verborgenen Insektengemeinschaften erhalten werden können.
Quelle: Georg-August-Universität Göttingen
Mots-clés :
Landnutzung, Insekten, Landwirtschaft, Mahd, Wiesen
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Tscharntke T, Batáry P, & Vidal S. (2026). The hidden multitrophic diversity of specialized grass-shoot insectsneglected by grassland management. Basic and Applied Ecology.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Agrarökologie und Funktionelle Agrobiodiversität
Grisebachstraße 6
D-37077 Göttingen
ttschar@gwdg.de
Tel: +49 (0)551 39-29205
Retour à la liste