24.6.2026:

Zustand der Nutzpflanzenvielfalt in der Schweiz

État de la diversité des plantes utiles en Suisse



François Meienberg, Natascha Rast und Agnès Bourqui

Ein neuer Bericht zeigt erstmals umfassend, wie es um die Vielfalt unsere Kulturpflanzen steht: Die Agrobiodiversität in der Schweiz ist heute insgesamt gut abgesichert – doch ohne kontinuierliches Engagement drohen rasch Verluste. Es braucht noch mehr Anstrengungen, um die Vielfalt wieder auf die Felder zu bringen.

Un nouveau rapport fournit pour la première fois une vue d’ensemble exhaustive de la situation de la diversité de nos plantes cultivées : la biodiversité agricole en Suisse est aujourd’hui globalement bien préservée, mais sans un engagement continu, des pertes pourraient rapidement survenir. Des efforts supplémentaires sont nécessaires pour ramener cette diversité dans les champs.


Die Vielfalt von Kulturpflanzenarten und ihren Sorten ist eine zentrale Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft. Sie sorgt für stabile Erträge, stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimawandel, Krankheiten sowie extremen Wetterereignissen und bildet die Basis für die Züchtung zukünftiger Sorten. Gleichzeitig ist sie entscheidend für eine vielfältige und gesunde Ernährung.
Ein Pilotprojekt der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK) und der Stiftung ProSpecieRara, unterstützt durch das Bundesamt für Landwirtschaft, liefert nun erstmals ein detailliertes Bild: Auf Basis von 15 Indikatoren wurde die Situation der Nutzpflanzenvielfalt in der Schweiz umfassend analysiert.
Die Ergebnisse zeigen: Dank des Engagements zahlreicher öffentlicher und privater Akteure, eines gut funktionierenden Netzwerks sowie der Unterstützung durch den Bund ist die Nutzpflanzenvielfalt heute insgesamt gut abgesichert. In Genbanken und Sammlungen werden zehntausende Akzessionen erhalten, und tausende Sorten sind für Anbau und Nutzung verfügbar. Auch bei der nachhaltigen Nutzung sind positive Entwicklungen sichtbar: Nischenkulturen wie Emmer, Lupinen oder Lein haben in den letzten Jahren deutlich an Anbaufläche gewonnen, und neue, an die Schweizer Landwirtschaft angepasste Sorten werden weiterhin gezüchtet.
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Erhaltung der Agrobiodiversität keine abgeschlossene Aufgabe ist. So ist rund ein Drittel der wichtigsten wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen bedroht – dabei sind gerade sie eine unverzichtbare genetische Ressource für die zukünftige Züchtung.
Zudem konzentriert sich der Anbau vieler Kulturen stark auf wenige Sorten. Bei zentralen Ackerkulturen dominieren oft nur eine Handvoll Sorten den Grossteil der Anbaufläche. Dies erhöht die Anfälligkeit des Systems und verringert seine Anpassungsfähigkeit.
Auch im Bereich Züchtung zeigt sich eine rückläufige Entwicklung: Die Zahl der bearbeiteten Pflanzenarten sowie die eingesetzten personellen Ressourcen sind in den letzten Jahren gesunken. Gleichzeitig fehlt es an Aus- und Weiterbildungsangeboten insbesondere für Fachpersonen im Bereich Agrobiodiversität.
Um die Nutzpflanzenvielfalt langfristig zu sichern und besser zu nutzen, sind zusätzliche Anstrengungen notwendig. Dazu gehören die bessere Dokumentation und Beschreibung von Sorten, die gezielte Förderung des Anbaus vielfältiger Kulturen sowie Investitionen in Bildung, Koordination und Kommunikation.
Der Bericht macht deutlich: Vieles ist erreicht, doch die Zukunft der Agrobiodiversität hängt davon ab, ob das bestehende Engagement weitergeführt und gezielt ausgebaut wird. Nur so bleibt die Landwirtschaft auch künftig resilient, anpassungsfähig und vielfältig.

Quelle: cpc-skek.ch

Mots-clés :
Agrobiodiversität, Ernährung, Klimawandel, genetische Vielfalt, Nutzpflanzen

Type de publication:
rapport

Littérature :
Meienberg F, Rast N, Bourqui A (2026) Vom Zustand der Schweizer Nutzpflanzendiversität. CPC-SKEK und ProSpecieRara. Bern, 61 S.


Link zum Kurzbericht (Französisch und Deutsch) und dem vollständigen Studienbericht (Deutsch)

Adresse de contact :
Agnès Bourqui
CPC-SKEK
Belpstrasse 26
CH-3007 Bern
agnes.bourqui@cpc-skek.ch
Tel: +41 (0)31 506 41 21


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