6.5.2026: Recherche suisse
Pflanzenschutzmittel beeinträchtigen Bodenleben und Biodiversität
Les pesticides perturbent la vie du sol et la biodiversité
Julia Köninger et al.
In vielen Böden Europas sind Pflanzenschutzmittel nachweisbar, und das Bodenleben ist dadurch beeinträchtigt. Besonders betroffen sind Organismen wie Pilze und Fadenwürmer, die zentrale Funktionen im Boden erfüllen, beispielsweise die Nährstoffversorgung.
Dans de nombreux sols d’Europe, des produits phytosanitaires sont détectables et la vie dans le sol en est perturbée. Les organismes particulièrement touchés sont notamment les champignons et les nématodes, qui remplissent des fonctions essentielles dans le sol, comme l’approvisionnement en nutriments.
Das Leben im Boden ist zentral für zahlreiche Ökosystemleistungen wie Nahrungsmittelproduktion, Kohlenstoffspeicherung, Erosionsschutz und Wasserregulierung. Eine internationale Studie mit Schweizer Beteiligung liefert nun erstmals umfassende quantitative Belege zur Verbreitung und Wirkung von Pflanzenschutzmitteln in europäischen Böden. Grundlage sind 373 Bodenproben aus landwirtschaftlichen Flächen (Acker- und Grünland) sowie aus Wäldern in 26 Ländern Europas. Untersucht wurden Rückstände von 63 häufig eingesetzten Wirkstoffen sowie deren Einfluss auf die Biodiversität von Bodenorganismen.
Die Analysen zeigen, dass rund 70 Prozent der untersuchten Böden mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert sind. Am häufigsten wurden Fungizide nachgewiesen, gefolgt von Herbiziden – insbesondere Glyphosat – und Insektiziden. Während die höchsten Belastungen erwartungsgemäss auf Ackerflächen festgestellt wurden, fanden sich Rückstände auch in Wiesen und Wäldern. Dies deutet auf eine Verfrachtung durch Abdrift hin.
Im Rahmen der Studie wurden auch die Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel auf Bodenlebensgemeinschaften untersucht. Dazu haben die Forschenden die Artenvielfalt von Bakterien, Pilzen, Fadenwürmern und Einzellern in den Proben erfasst. Die Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen in der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften. Besonders empfindlich reagieren Mykorrhiza-Pilze, die für die Nährstoff- und Wasseraufnahme von Pflanzen eine zentrale Rolle spielen. Bestimmte Wirkstoffe wie das Fungizid Bixafen beeinträchtigen zahlreiche der untersuchten Organismen.
Darüber hinaus wurden funktionelle Veränderungen des Bodens analysiert. Dazu haben die Forschenden den Anteil Gene untersucht, die an der Freisetzung und Rückgewinnung von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor beteiligt sind. Die Resultate deuten darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel nicht nur die Biodiversität, sondern auch die natürlichen Nährstoffkreisläufe beeinflussen. Einzelne Bakteriengruppen profitieren zwar teilweise von veränderten Bedingungen, insgesamt kann die Funktionsfähigkeit des Bodens jedoch eingeschränkt sein, was eine erhöhte Düngung erforderlich machen könnte.
Die Studie zeigt, dass Pflanzenschutzmittel nicht nur Zielorganismen treffen, sondern breit auf Bodenökosysteme wirken. Da einige Wirkstoffe persistent sind und über längere Zeit im Boden verbleiben, können sich diese Effekte kumulieren. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bei der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln neben Einzelarten auch ganze Lebensgemeinschaften sowie deren ökologische Funktionen zu berücksichtigen und entsprechende Aspekte stärker in Regulierungen einzubeziehen.
Quelle: Universität Zürich
Mots-clés :
Pflanzenschutzmittel, Boden, Bodenorganismen, Mykorrhiza, Kontamination
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Köninger J, Labouyrie M, Ballabio C, Dulya O, Mikryukov V, Romero F, ... & van der Heijden MGA (2026) Pesticide residues alter taxonomic and functional biodiversity in soils. Nature 650:367373.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Marcel van der Heijden
Universität Zürich
Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie
CH-8008 Zürich
marcel.vanderheijden@uzh.ch
Tel: +41 (0)44 634 82 87
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