6.5.2026: Recherche suisse
Biber bauen Kohlenstoffsenken
Les castors construisent des puits de carbone
Lukas Hallberg et al.
Biber verändern Fliessgewässer nicht nur strukturell, sondern auch funktional in Bezug auf den Kohlenstoffhaushalt: Durch Biber geprägte Gewässerabschnitte werden zu bedeutenden CO₂-Senken. Damit rückt der Biber in den Fokus naturnaher Klimaschutzstrategien.
Les castors modifient les cours d’eau non seulement de manière structurelle, mais aussi de manière fonctionnelle par rapport au bilan carbone : les tronçons de cours d’eau façonnés par le castor deviennent des puits de CO2 significatifs. Le castor se retrouve ainsi au centre des stratégies de protection du climat respectueuses de la nature.
In einem Bachabschnitt in der Nordschweiz, der seit über einem Jahrzehnt von Bibern geprägt ist, wurde erstmals für ein solches Ökosystem eine umfassende Kohlenstoffbilanz erstellt. Die Untersuchung kombiniert hochauflösende hydrologische Messungen, chemische Analysen, Sedimentproben, kontinuierliches Monitoring von Treibhausgasen sowie langfristige Modellierungen. Dadurch kann detailliert nachvollzogen werden, wie sich Kohlenstoffflüsse durch die Bautätigkeit der Tiere verändern.
Die Ergebnisse zeigen, dass Biber durch das Aufstauen von Wasser, die Verlangsamung der Strömung und die Bildung ausgedehnter Feuchtgebiete die Ablagerung von Sedimenten und organischem Material stark fördern. Über einen Zeitraum von 13 Jahren akkumulierte das untersuchte Gebiet rund 1200 Tonnen Kohlenstoff. Dies entspricht einer jährlichen Bindung von gut 10 Tonnen CO₂ pro Hektare und liegt damit bis zu zehnmal höher als in vergleichbaren Gewässerabschnitten ohne Biberaktivität.
Zentral für diese Wirkung ist die verstärkte Speicherung von gelöstem anorganischem Kohlenstoff im Untergrund sowie die Anreicherung organischer Substanz in Sedimenten und Totholz. Die Sedimente der Biberteiche weisen deutlich höhere Kohlenstoffgehalte auf als umliegende Waldböden, während Totholz nahezu die Hälfte des langfristig gespeicherten Kohlenstoffs ausmacht. Diese Speicher können über Jahrzehnte stabil bleiben, sofern die Dämme erhalten bleiben.
Die Bilanz ist jedoch im Jahresverlauf nicht konstant. In sommerlichen Niedrigwasserphasen mit freiliegenden Sedimentflächen kann es temporär zu erhöhten CO₂-Emissionen kommen. Über den gesamten Jahresverlauf überwiegt jedoch klar die Speicherleistung, sodass das System insgesamt als Netto-Kohlenstoffsenke wirkt. Methanemissionen spielen dabei eine untergeordnete Rolle und machen nur einen sehr kleinen Anteil der Gesamtbilanz aus.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Biber in geeigneten Auen- und Gewässerlandschaften einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Hochgerechnet auf potenziell besiedelbare Flächen in der Schweiz könnten Biberreviere 1,2 bis 1,8 % der jährlichen CO₂-Emissionen des Landes ausgleichen. Für die Praxis ergeben sich daraus neue Perspektiven für Gewässerentwicklung, Revitalisierung und Landschaftsplanung, insbesondere dort, wo natürliche Prozesse gezielt zugelassen oder gefördert werden können.
Quelle eurekalert.org
Mots-clés :
Biber, Ökosystemleistung, Kohlenstoffhaushalt, Auen, Klima
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Hallberg L, Larsen A, Ceperley N, dEpagnier R, Brouwers TF, Schaefli B, ... & Larsen JR (2026) Beavers can convert stream corridors to persistent carbon sinks. Communications Earth & Environment, 7(1), 227.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Christof Angst
Biberfachstelle
info fauna
Avenue de Bellevaux 51
CH-2000 Neuenburg
christof.angst@infofauna.ch
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