6.5.2026: Recherche suisse

Auen unter Druck: Bisherige Schutzgebiete genügen nicht

Zones alluviales sous pression : les espaces protégés sont insuffisants



Sabine Fink et al.

Auen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Schweiz, haben aber grosse Verluste erlitten. Die geschützten Restflächen werden nicht ausreichen, um die Biodiversität zu sichern. Ursachen sind neben der fehlenden natürlichen Dynamik vor allem klimabedingte Veränderungen wie Trockenheit und sinkende Wasserstände. Erforderlich ist eine grossräumige Planung in ganzen Einzugsgebieten.

Les zones alluviales comptent parmi les habitats de Suisse les plus riches en espèces, mais elles ont subi des pertes importantes. Les surfaces résiduelles protégées ne suffiront pas à sauvegarder la biodiversité. Outre l’absence de dynamique naturelle, cela s’explique notamment par des changements liés au climat tels que la sécheresse et la baisse des niveaux d’eau. Une planification à grande échelle sur l’ensemble des bassins versants est nécessaire.


Auenlandschaften zählen zu den ökologisch wertvollsten, aber auch am stärksten gefährdeten Lebensräumen der Schweiz. Durch Flusskorrekturen, Verbauungen und Nutzungsdruck sind sie vielerorts verschwunden oder stark fragmentiert. Eine Übersichtsstudie mit Fokus auf die Schweiz zeigt nun, dass sich die optimalen Standortbedingungen für typische Auenarten künftig deutlich verschieben werden. Grundlage der Analyse war der Vergleich heutiger Artenvorkommen mit prognostizierten zukünftigen Umweltbedingungen in bestehenden Auengebieten.
Die Studie kombiniert ökologische und hydrodynamische Modellierungen. In einem ersten Schritt wurde das potenzielle Vorkommen von Arten berechnet. Ergänzend wurden mit hydrodynamischen Modellen Prozesse wie Überflutung und Erosion entlang von Flussläufen simuliert. Durch die Verknüpfung beider Ansätze lässt sich abschätzen, wo geeignete Lebensräume für Auenarten künftig entstehen oder verloren gehen könnten.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele geschützte Auen ihre Ökosystemfunktionen teilweise weiter einbüssen werden, etwa durch zunehmende Trockenheit oder veränderte Flussdynamik. Gleichzeitig entstehen durch Hochwasserereignisse auch neue, potenziell geeignete Standorte entlang der Flüsse, die bisher in der Planung von Schutzgebieten nicht berücksichtigt sind. Aufgrund der geringen Grösse und unzureichenden Vernetzung der bestehenden Gebiete können die Arten die neuen Lebensräume oft nicht erreichen, da geeignete Trittsteine fehlen. Aus all dem ergibt sich die Notwendigkeit, den Auenschutz stärker auf ganze Einzugsgebiete auszurichten und zukünftige Entwicklungen mitzudenken. Bestehende Flächen bleiben dabei zentral, doch müssen zusätzlich Gebiete einbezogen werden, die sich unter veränderten Bedingungen zu Auen entwickeln könnten.
Mit dem Auenschutzpark Aargau macht der Kanton beispielhaft vor, wie sogar ein dicht besiedelter Kanton die artenreichen Auenlebensräume erfolgreich erhalten und fördern kann. Dort wurden Auenflächen als zusammenhängendes System gesichert, das Wanderbewegungen von Arten ermöglicht. Monitoringdaten zeigen, dass sich dadurch Bestände von Käfern und Ampibien deutlich erholen konnten. Für den zukünftigen Auenschutz bedeutet dies, bestehende Strategien zu erweitern und dynamische Prozesse stärker in die Planung zu integrieren.

Quelle: WSL

Mots-clés :
Auen, Vernetzung, Klimawandel, Schutzgebiete, Dynamik

Type de publication:
publication spécialisée

Littérature :
Fink S, Kräuchi N, Stofer S, Weber A, Horchler PJ (2026) Conservation planning for riverine biodiversity under changing climate: use of models. Nature Conservation 62:47-62.


Link zur Studie (freier Zugang)

Adresse de contact :
Sabine Fink
Eidgenössische Forschungsanstalt WSL
Biodiversität und Naturschutzbiologie
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
sabine.fink@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 2836


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