25.3.2026: Recherche internationale
Zunahme der globalen Pestizidtoxizität gefährdet globales Biodiversitätsziel
L’augmentation de la toxicité des pesticides à l’échelle mondiale menace l’objectif mondial de la biodiversité
Jakob Wolfram et al.
Die Toxizität ausgebrachter Pestizide ist in den vergangenen Jahren weltweit deutlich gestiegen. Damit gerät das globale Ziel, die pestizidbedingten Risiken bis 2030 zu halbieren, zunehmend ausser Reichweite. Der Handlungsbedarf ist gross.
La toxicité des pesticides épandus a considérablement augmenté dans le monde entier ces dernières années. De ce fait, l’objectif mondial de réduire de moitié les risques liés aux pesticides d’ici 2030 semble donc de plus en plus hors d’atteinte. Il est urgent d’agir.
Ein internationales Forschungsteam hat die Entwicklung der in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide zwischen 2013 und 2019 systematisch ausgewertet. Grundlage waren kommerzielle Anwendungsdaten, die für zahlreiche Länder verfügbar sind. Für jeden Wirkstoff wurden die jährlich ausgebrachten Mengen mit seiner spezifischen Toxizität verrechnet. Daraus wurde die «ausgebrachte Toxizität» bestimmt – ein Indikator, der die Gesamtgiftigkeit der pro Land und Jahr eingesetzten Pestizide abbildet und eine Abschätzung möglicher Biodiversitätsrisiken erlaubt.
Erstmals wurde dafür ein Datensatz mit 625 Wirkstoffen erstellt. Die Toxizitätsangaben stammen aus sieben regulatorischen Systemen und berücksichtigen acht Organismengruppen, die in Zulassungsverfahren relevant sind: darunter Landinsekten, Bestäuber, Bodenorganismen, Fische, aquatische Wirbellose, Landpflanzen, Gewässerpflanzen und Landwirbeltiere. Dieses Vorgehen ermöglicht eine standardisierte, globale Vergleichbarkeit über verschiedene Wirkstoffe, Kulturen und Länder hinweg.
Die Analyse zeigt eine deutliche Zunahme der ausgebrachten Toxizität im untersuchten Zeitraum. Treiber sind sowohl steigende Aufwandmengen, bedingt durch Flächenausdehnung und Intensivierung, als auch der Einsatz toxischerer Wirkstoffe, insbesondere bei Insektiziden. Besonders stark nahmen die Belastungen für Landinsekten, Bodenorganismen und Fische zu. Auch für aquatische Wirbellose, bestäubende Insekten und Landpflanzen wurden Anstiege festgestellt. Rückgänge zeigten sich lediglich bei Gewässerpflanzen und Landwirbeltieren. Alle drei Wirkstoffgruppen – Herbizide, Insektizide und Fungizide – trugen zur Zunahme bei. Für jede Organismengruppe waren jeweils rund 20 besonders toxische Wirkstoffe ausschlaggebend.
Im Ländervergleich entfiel der grösste Anteil der globalen ausgebrachten Toxizität auf Brasilien, China, die USA und Indien. Nur wenige Staaten wiesen rückläufige Trends auf. Um das Ziel einer Halbierung der Risiken bis 2030 zu erreichen, müssten viele Länder ihre ausgebrachte Toxizität auf ein Niveau von vor mehr als 15 Jahren senken. Neben der Substitution hochtoxischer Wirkstoffe werden strukturelle Veränderungen diskutiert, etwa Anpassungen in der Fruchtfolge, der Kulturwahl und eine Ausdehnung ökologischer Anbauformen.
Quelle: vbio.de
Mots-clés :
Ökotoxikologie, Pestizidtoxizität, landwirtschaftliche Intensivierung, biologischer Landbau
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Wolfram J, Bussen D, Bub S, Petschick LL, Herrmann LZ, Schulz R (2026) Increasing applied pesticide toxicity trends counteract the global reduction target to safeguard biodiversity. Science 391(6785): 616-621.
Link zur Studie (eingeschränkter Zugang)
Adresse de contact :
Ralf Schulz
Fachbereich Natur- und Umweltwissenschaften
Universität Kaiserslautern-Landau
D-76829 Landau
r.schulz@rptu.de
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