25.3.2026: Recherche internationale
Gegensätzliche Effekte von konventioneller und biologischer Landwirtschaft auf Ektoparasiten und Blutparasiten bei Singvögeln
Effets contrastés de l’agriculture conventionnelle et biologique sur les ectoparasites et les parasites sanguins chez les oiseaux chanteurs
Audrey Bailly, Karine Monceau, Jérôme Moreau
Die Landwirtschaft verändert nicht nur Lebensräume, sondern auch Krankheitsdynamiken bei Vögeln. Verschiedene Bewirtschaftungsformen beeinflussen dabei die Parasitenbelastung von Singvögeln auf unterschiedliche Weise. Während Ektoparasiten in konventionell geprägten Landwirtschaftssystemen seltener sind, treten Blutparasiten dort häufiger auf. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Tiergesundheit sind.
L’agriculture modifie non seulement les milieux, mais aussi la dynamique des maladies chez les oiseaux. Les différents modes d’exploitation influencent de manière différente la charge parasitaire chez les oiseaux chanteurs. Alors que les ectoparasites sont moins fréquents dans les systèmes agricoles conventionnels, les parasites sanguins y sont plus répandus. Ces résultats illustrent la complexité des interactions entre l’utilisation du sol et la santé animale.
Die Auswirkungen von Lebensraumverlust und Pestizideinsatz auf die Vielfalt und Biomasse von Vogelarten im Kulturland sind gut untersucht. Wenig erforscht war bislang, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsformen auf Wirt-Parasit-Beziehungen auswirken. Forschende verglichen nun Singvögel in 20 Hecken im Südwesten Frankreichs, die entweder überwiegend von konventioneller oder von biologischer Landwirtschaft umgeben waren. Insgesamt wurden in zwei Brutzeiten über 1000 Individuen aus zehn häufigen Arten untersucht.
Erfasst wurden zwei Ektoparasiten (Zecken, Federlinge) sowie zwei Endoparasiten (Blutparasiten der Gattung Plasmodium und Darmkokzidien). Zecken wurden gezielt im Kopfbereich kontrolliert, Federlinge visuell an den Schwungfedern gezählt. Für Blutparasiten fertigten die Forschenden Blutausstriche an und bestimmten unter dem Mikroskop die Zahl infizierter Blutkörperchen. Kokzidien wurden in Kotproben quantifiziert. Unterschieden wurde jeweils zwischen Prävalenz (Anteil infizierter Individuen) und Intensität (Parasitenzahl pro infiziertem Vogel).
Die Prävalenz unterschied sich nicht signifikant zwischen den Bewirtschaftungstypen. Deutlich wurden jedoch gegensätzliche Effekte bei der Intensität: Vögel in konventionell geprägten Landschaften wiesen geringere Belastungen mit Ektoparasiten auf, insbesondere mit Federlingen. Gleichzeitig war die Intensität der Blutparasiten dort höher als in biologisch bewirtschafteten Umgebungen. Für Kokzidien zeigte sich kein klarer Zusammenhang mit der Bewirtschaftungsform.
Eine mögliche Erklärung für geringere Ektoparasitenzahlen im konventionellen Umfeld ist die direkte oder indirekte Wirkung synthetischer Pflanzenschutzmittel auf frei lebende Entwicklungsstadien. Umgekehrt könnten Pestizide das Immunsystem der Wirte beeinträchtigen und so die Kontrolle von Endoparasiten erschweren.
Zusätzlich zeigten sich starke Unterschiede zwischen Jahren und Arten, was die Bedeutung klimatischer Bedingungen und artspezifischer Ökologie unterstreicht. Für den Naturschutz ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Weder biologische noch konventionelle Bewirtschaftung wirken pauschal günstig oder ungünstig auf Parasitenbefall. Entscheidend ist vielmehr, dass die gesamte Parasitengemeinschaft und ihre gesundheitlichen Folgen in die Bewertung von Agrarlandschaften einbezogen wird.
Quelle: Agriculture, Ecosystems and Environment
Mots-clés :
Singvögel, Endo- und Ektoparasiten, Agrarökologie, Bewirtschaftungsformen
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Bailly A, Monceau K, Moreau J (2026) Farming practices induce contrasted effects on parasitic infections in passerine birds in agricultural landscapes. Agriculture, Ecosystems & Environment 396, 110008.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Audrey Bailly
Centre d’Études Biologiques de Chizé
USC 1339 CEBC INRAE CNRS La Rochelle Université,
F-79360 Villiers-en-Bois
audrey.bailly545@gmail.com
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