25.3.2026: Recherche suisse

Stärkerer Rückgang der Pflanzendiversität in tiefen als in hohen Lagen über ein Jahrhundert

Recul plus marqué de la diversité végétale en basse qu’en haute altitude sur un siècle



Stefan Widmer et al.

Langfristige Aussagen zu Biodiversitätsveränderungen sind schwierig, weil ältere Vergleichsdaten meist fehlen. Es gibt aber Ausnahmen: So konnten historische Vegetationsaufnahmen von Schweizer Grasländern erneut untersucht werden. Dabei wurde ein starker Rückgang der taxonomischen Alpha-, Beta- und Gamma-Diversität festgestellt. Die Pflanzenvielfalt nahm in den untersuchten Flächen im Durchschnitt um rund einen Viertel ab. Der Verlust aller drei Diversitätsmasse nahm mit der Höhe ab, wobei der Rückgang im Tiefland besonders ausgeprägt ist.

Il est difficile de se prononcer à long terme sur les changements en matière de biodiversité, car les données comparatives plus anciennes font généralement défaut. Il existe cependant des exceptions : des relevés historiques de la végétation de prairies suisses ont ainsi pu être réexaminés. Cela a révélé un fort recul de la diversité taxonomique alpha, bêta et gamma. La diversité végétale a diminué en moyenne d'environ un quart dans les zones étudiées. La perte des trois mesures de diversité a diminué avec l’altitude, le déclin étant particulièrement marqué en plaine.


Langfristige, quantitative Untersuchungen von Biodiversitätsveränderungen sind eine Herausforderung, da repräsentative Referenzdaten aus der Zeit vor 1950 meist fehlen. Dies gilt auch für Grasländer in den gemässigten Regionen Europas, die auf kleinen räumlichen Skalen eine hohe Artenvielfalt aufweisen können, jedoch starken und vielfältigen Veränderungen unterlagen – insbesondere durch landwirtschaftliche Intensivierung.
In einer aktuellen Studie wurden 416 historische Vegetationsaufnahmen von Grasländern in der ganzen Schweiz, erneut erhoben. Die ursprünglichen Aufnahmen stammen aus den Jahren 1884 bis 1931 und basieren auf Untersuchungsflächen von je 0.09 m². Dieser einzigartige Datensatz erlaubt es, Veränderungen in der Diversität und der Artzusammensetzung über mehr als ein Jahrhundert zu untersuchen.
In den Ergebnissen zeigen deutlich mehr Arten eine abnehmende als eine zunehmende Frequenz. Die Diversität ging auf allen Ebenen zurück. Die Alpha-, Beta- und Gamma-Diversität nahm deutlich ab, wobei der Artenreichtum in den erneut untersuchten Aufnahmen im Durchschnitt um 26 % geringer war als in den historischen Aufnahmen. Auch die funktionelle und phylogenetische Alpha-Diversität hat abgenommen, wenn auch weniger ausgeprägt.
Der Verlust aller drei Diversitätsmasse war mit zunehmender Höhe weniger ausgeprägt. So war beispielsweise die Artenzahl auf 500 Meter über Meer um 38 % geringer, auf 2000 m über Meer dagegen nur um 11 %. Parallel dazu nahmen insbesondere in tiefen Lagen nährstoffliebende, mähverträgliche und konkurrenzstarke Arten zu, insbesondere Süssgräser (Poaceae). Dieses Höhenmuster weisst auf einen starken Einfluss der Landnutzung und der Eutrophierung hin, die in tieferen Lagen ausgeprägter sind. Die geringeren Diversitätsverluste in höheren Lagen bieten das Potenzial, einen grossen Anteil der historischen Pflanzenvielfalt in subalpinen und alpinen Grasländern zu erhalten.

Quelle: ZHAW

Mots-clés :
Biodiversitätsveränderung, Grasland, Höhengradient, Landnutzungsänderung

Type de publication:
publication spécialisée

Littérature :
Widmer S, Riedel S, Babbi M, Herzog F, Wohlgemuth T, Kessler M, Dengler J (2025) One Century of Change: Stronger Diversity Decline in Lowland Than in Mountain Grasslands in Central Europe. Global Change Biology 31(10): e70529.

Widmer S, Riedel S, Babbi M, Herzog F, Wohlgemuth T, Kessler M, Dengler J (2026) A century of change: Many losers vs. few winners among Swiss grassland plants. Biological Conservation 315: 111679.
http://www.zhaw.ch/squarefoot
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.70529
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320725007165?via%3Dihub

Adresse de contact :
Stefan Widmer
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen
Grüentalstrasse 14
CH-8820 Wädenswil
stefan.widmer@zhaw.ch
Tel: +41 (0) 58 934 58 62


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