12.2.2026: Recherche suisse
100% nachhaltiger Pflanzenschutz weltweit: Mehr Chancen als Risiken
Une protection phytosanitaire 100 % durable à l’échelle mondiale : plus d’opportunités que de risques
Niklas Möhring, Malick N. Ba, Anna R. Cavalcante Braga, Sabrina Gaba et al.
Welche Effekte hätte es, wenn Landwirtinnen und Landwirte rund um den Globus komplett auf nachhaltigen Pflanzenschutz umstellen würden? Die meisten der über 500 befragten Expertinnen und Experten rechnen mit langfristig positiven Folgen auch aus ökonomischer Perspektive.
Quelles seraient les conséquences si les agricultrices et agriculteurs du monde entier se mettaient à n’utiliser plus qu’une protection phytosanitaire durable ? La plupart des plus de 500 experts et expertes interrogées s’attendent à des conséquences positives à long terme, y compris sur le plan économique.
Es gibt durchaus Alternativen zum Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, etwa die Züchtung und den Anbau resistenterer Sorten, diverse Fruchtfolgen oder auch die Pflanzung von Hecken, um Nützlinge zu fördern. Forschende haben nun die Chancen und Risiken einer weltweiten Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz untersucht. Dazu wurden 517 Personen, die als profunde Kennerinnen und Kenner der Landwirtschaft in einer bestimmten Region gelten, nach möglichen Effekten in fünf Bereichen befragt: Auswirkungen auf die Umwelt, Gesundheit, Ernährungssicherheit, ökonomische Situation der Landwirtinnen und Landwirte sowie soziale Gleichheit und Sicherheit.
Die Ergebnisse zeigen, dass nachhaltiger Pflanzenschutz ein erhebliches Potenzial zur Bewältigung mehrerer Nachhaltigkeitsprobleme hat. Die grössten erwarteten Vorteile liegen im Umwelt- und Gesundheitsbereich, insbesondere durch geringere Belastungen von Böden, Gewässern, Biodiversität sowie durch positive Effekte auf die menschliche Gesundheit. Auch für soziale Aspekte wie Arbeitssicherheit und Anpassungskapazitäten werden überwiegend positive Effekte erwartet.
Bei der ökonomischen Bewertung gab es dagegen starke Unterschiede. In Nordamerika, Europa und Australien rechneten etwa gleich viele Expertinnen und Experten mit positiven wie mit negativen Auswirkungen auf das Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe – zumindest kurzfristig. In Asien, Afrika und Südamerika sahen die Befragten in der Umstellung dagegen eher eine ökonomische Chance für stabilere Einkommen, Produktivitätsgewinne und geringere indirekte Kosten (z. B. den Erhalt von Ökosystemleistungen). Auch beim lokalen Zugang zu sicheren Lebensmitteln erwarteten die Befragten dieser Kontinente bei einer Umstellung viel stärkere positive Impulse als solche aus Nordamerika, Europa und Australien.
Die Forschenden betonen, dass eine Transformation nicht kostenfrei ist. Sie erfordert die Entwicklung und Bereitstellung wirksamer, kosteneffizienter Alternativen, intensive Beratung und Ausbildung, ökonomische Anreize sowie einen unterstützenden politischen Rahmen. Insgesamt wird nachhaltiges Pflanzenschutzmanagement jedoch als zentraler Hebel für eine langfristig nachhaltigere globale Landwirtschaft identifiziert.
Quelle: ETH Zürich
Mots-clés :
Pflanzenschutz, Landwirtschaft, Gesundheit, Ernährungssicherheit, ökonomische Situation
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Möhring N, Ba MN, Braga ARC, Gaba S et al. (2025) Expected effects of a global transformation of agricultural pest management. Nature Communications 16(1), 10901.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Robert Finger
ETH Zürich
Agrarökonomie und -politik
Sonneggstrasse 33
CH-8092 Zürich
rofinger@ethz.ch
Tel: +41 (0)44 632 53 91
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