12.2.2026: Recherche suisse
Monitoring deckt Rückgang der genetischen Vielfalt bei der Kreuzkröte auf
Le monitoring révèle un recul de la diversité génétique du crapaud calamite
José F. Meléndez-Cal-y-Mayor, W. Chris Funk, Petra Ramseier und Benedikt R. Schmidt
Die genetische Vielfalt spielte in der Naturschutzpraxis bisher nur eine untergeordnete Rolle, obwohl sie eine wichtige Ebene der Biodiversität ist. Monitoringdaten zeigen nun exemplarisch, dass die genetische Vielfalt der Kreuzkröte im Reusstal in nur 20 Jahren deutlich abgenommen hat. In der Naturschutzpraxis empfiehlt es sich, Massnahmen gegen den Verlust der genetischen Vielfalt zu ergreifen.
Jusqu’à présent, la diversité génétique n’a joué qu’un rôle mineur dans la pratique de la conservation de la nature, même si elle constitue un aspect important de la biodiversité. Les données du monitoring montrent de manière exemplaire la diminution de la diversité génétique du crapaud calamite dans la vallée de la Reuss en seulement 20 ans. Dans la pratique de la conservation de la nature, il est recommandé de prendre des mesures contre la perte de diversité génétique.
Biodiversität hat drei Ebenen: Die Vielfalt der Lebensräume und Arten sowie die genetische Diversität. Beim Naturschutz liegt der Fokus meist auf dem Schutz der Lebensräume und der Arten. Massnahmen zur Erhaltung der genetischen Vielfalt sind selten, selbst wenn in der Naturschutzpraxis genetische Fragestellungen neuerdings häufiger untersucht werden und die Wissenschaft auf die mangelnde Berücksichtigung der genetischen Vielfalt hinweist.
Eine neue Studie legt den Schluss nahe, dass die Genetik der Arten nicht länger stiefmütterlich behandelt werden sollte. Die Forschenden konnten zeigten, dass Populationen der Kreuzkröte – eine Art, die auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft wird – im luzernischen Reusstal zwischen 1998 und 2020 etwa einen Fünftel der genetischen Vielfalt verloren haben. Der Zeitraum entspricht etwa sieben Generationen. Während die untersuchten Populationen 1998 genetisch in Kontakt standen, sind sie heute weitgehend räumlich isoliert.
Der Verlust genetischer Vielfalt kann Konsequenzen haben für die Erhaltung der Art. Untersuchungen an Populationen der Kreuzkröte in England haben gezeigt, dass genetisch verarmte Populationen weniger fitte Individuen haben und die Populationen daher weniger lebensfähig sind. Es kann also auch genetische Gründe geben, warum die Förderung der Kreuzkröte nicht immer einfach ist.
Was tun, wenn die genetische Vielfalt der Kreuzkröte zu gering ist? Massnahmen zur Erhöhung der genetischen Vielfalt sind bei Amphibien nicht erprobt. Den Studienautoren zufolge würde es sich lohnen, bei den Luzerner Populationen eine «Blutaufrischung» vorzunehmen, indem Individuen aus anderen Landesteilen eingebracht werden. Während die Wissenschaft früher einer solchen «genetischen Rettung» gegenüber kritisch eingestellt war, ist man heute zum Schluss gelangt, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen.
Quelle: Universität Zürich
Mots-clés :
Amphibien, genetische Vielfalt, Isolation, Fragmentierung, Artenförderung
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Meléndez-Cal-y-Mayor JF, Funk WC, Ramseier P, Schmidt BR (2025) Genetic monitoring reveals loss of genetic variation and increased isolation in an endangered pond-breeding amphibian. Conservation Genetics 26:11131126.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Benedikt Schmidt
info fauna karch
Bellevaux 51
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