12.2.2026: Recherche internationale
Artenverlust als Hauptursache für Rückgang der Insektenbiomasse
La disparition des espèces, principale cause de la diminution de la biomasse d’insectes
Benjamin Wildermuth Maximilian Bröcher, Emma Ladouceur et al.
Langzeitdaten aus Wiesen und Weiden in Deutschland zeigen: Der Rückgang der lokalen Insektenbiomasse ist vor allem eine Folge des Verschwindens von Arten, von denen viele früher häufig waren. Die Biomasse wird auf immer weniger Arten verteilt, was die Stabilität der Lebensgemeinschaften schwächt. Artenreiches, extensiv genutztes Grünland erweist sich als zentraler Faktor für widerstandsfähige Lebensgemeinschaften.
Des données à long terme concernant des prairies et des pâturages en Allemagne montrent que la diminution de la biomasse locale d’insectes résulte surtout de la disparition d’espèces qui étaient autrefois courantes. La biomasse est répartie sur de moins en moins d’espèces, ce qui affaiblit la stabilité des communautés biologiques. Les herbages riches en espèces et exploités de manière extensive s’avèrent être un facteur essentiel pour la robustesse de communautés vivantes.
Der Rückgang der Insektenbiomasse im Grünland wird oft damit erklärt, dass einzelne Arten seltener werden und deshalb weniger Individuen aufweisen. Eine aktuelle Langzeitanalyse aus Wiesen und Weiden in Deutschland zeigt jedoch ein anderes Bild: Der Hauptgrund für den Biomasseverlust ist weniger die Abnahme innerhalb bestehender Arten, sondern viel mehr das vollständige Verschwinden von Arten.
Die Analyse stützt sich auf elf Jahre systematischer Erhebungen von Insekten und Spinnen. Dabei wurden die Individuen gezählt, bestimmt und ihre Biomasse berechnet. Mehr als 90 Prozent des lokalen Biomasseverlusts lassen sich demnach darauf zurückführen, dass Arten ganz aus der Gemeinschaft verschwunden sind. Der Rückgang der Individuenzahlen innerhalb der verbleibenden Arten trug dagegen nur etwa fünf bis acht Prozent zum gesamten Biomasseverlust bei.
Entscheidend ist dabei, welche Arten verschwinden. Besonders ins Gewicht fällt der Verlust ehemals häufiger Arten, die zuvor einen grossen Anteil an der Gesamtbiomasse stellten. In den ersten Jahren spielten zudem die Eigenschaften der Arten eine Rolle: Der Verlust grösserer Arten hatte einen überproportionalen Einfluss auf die Veränderung der Artenzusammensetzung, aber wegen ihrer Seltenheit einen eher geringen Einfluss auf den Rückgang der Gesamtbiomasse.
Mit zunehmender Dauer der Studie veränderte sich dieses Muster: Unabhängig von Grösse oder Seltenheit trugen alle verschwundenen Arten immer gleichmässiger zum Biomasseverlust bei. Gleichzeitig nahm die funktionelle Vielfalt der Arthropodengemeinschaften ab, weil sich die verbleibende Biomasse auf immer weniger Arten konzentrierte.
Die Art der Landnutzung hatte generell einen grossen Einfluss. Grünland mit hoher Pflanzenartenvielfalt und geringer Nutzungsintensität wies nicht nur eine höhere Arthropodenbiomasse auf, sondern auch mehr Arten und Individuen. Zudem war die Biomasse gleichmässiger auf viele Arten unterschiedlicher Grösse verteilt – ein Hinweis auf stabilere und widerstandsfähigere Lebensgemeinschaften.
Quelle: iDiv.de
Mots-clés :
Insektensterben, Grünland, Artenverlust, Biomasse
Type de publication:
publication spécialisée
Littérature :
Wildermuth B, Bröcher M, Ladouceur E et al. (2025) Arthropod species loss underpins biomass declines. Nature Ecology & Evolution, 1-12.
Link zur Studie (freier Zugang)
Adresse de contact :
Benjamin Wildermuth
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution
D-07737 Jena
benjamin.wildermuth@uni-jena.de
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